ESTLAND

Fotos: Baltikum Tourismus Zentrale www.baltikuminfo.de

Mit einer Fläche von knapp über 45.000 km² ist Estland das kleinste Land im Baltikum. 90 % liegen unter 100 Höhenmetern. Die etwa 1,5 Millionen Einwohner leben überwiegend in den Städten. Mehr als 1.500 Inseln, 7.000 Flüsse und Bäche, 1.000 Seen und zahlreiche Moore machen den nördlichsten der drei baltischen Staaten zu einem landschaftlich vielfältigen Land. Die Bevölkerung ist stolz auf ihre Kultur, und obwohl die Esten oft reserviert und zurückhaltend wirken, tauen sie sehr schnell auf, wenn man sie über ihr Land befragt. In den Städten finden sich eine Vielzahl an Baustilen, darunter auch deutlich sichtbare Spuren der Hansezeit

Tallinn (412.000 Ew.). Die Hauptstadt Estlands zeichnet sich durch ihre Lage zwischen zahlreichen vorgelagerten Inseln und dem Ülemiste-See aus. Über den schmalen Gassen der mittelalterlichen Altstadt erhebt sich der Domberg (Toompea). Der Sage nach handelt es sich um den Grabhügel Kalevs, dem Vater des Nationalhelden Kalevipoeg. Da die Stadt lange als das ››russische Fenster nach Europa‹‹ angesehen wurde, ließen die Russen den Hafen ausbauen, so dass er zeitweise der drittgrößte im Reich der Zaren war. Interessant ist die historische und architektonische Vielfalt Tallinns. Die Kathedrale der Jungfrau Maria aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den ältesten Kirchen in Estland. In der Nähe des Rathausplatzes befindet sich das Dominikaner-Kloster. Es wurde 1246 gegründet und ist das älteste estnische Kloster. Seine Mauern sind mit Steinverzierungen des 15. und 16. Jahrhunderts versehen. Der Kadriorg-Palast stammt aus dem Barock. Im Inneren des Gebäudes befindet sich das Museum ausländischer Kunst. Neben den architektonischen Sehenswürdigkeiten bietet Tallinn auch eine Vielzahl an Museen, Theatern und Restaurants. Abstecher an die Küste rund um Tallinn und in den Lahemaa-Nationalpark, der im Osten der Hauptstadt liegt, lohnen sich auf jeden Fall.

Tartu (100.000 Ew.). Mit der ältesten Universität Estlands stellt das frühere Dorpat das geistige Zentrum des Landes dar. Die Stadt spielt außerdem eine sehr große Rolle im Nationalbewusstsein der Esten, da von hier der Befreiungskampf gegen die Russen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausging. Da Tartu während verschiedener Kriege mehrfach zerstört wurde, zeigt es ein recht junges Stadtbild. Besonders sehenswert sind der Rathausplatz (Raekoja plats), der von Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert umrahmt ist, die älteste Backsteinkirche Estlands Jaani tänav (Johanneskirche) und natürlich die Universitätsgebäude. Hinter der Universität liegen die Hügel Toomemägi (Domberg) und Musumägi (Kussberg). Sie sind über die Teufels- und die Engelsbrücke miteinander verbunden. Auf beiden Hügeln gibt es zahlreiche kulturelle Denkmäler und mystische Orte. Eine Besonderheit Tartus ist das ››Schiefe Haus‹‹ in der Altstadt. Die Stadt steht auf moorigem Untergrund, der sie langsam versinken lässt.

Narva (87.000 Ew.). Durch seine Lage unmittelbar an der russischen Grenze war Narva lange Zeit hart umkämpft. Das ist auch noch heute an den beiden sich am gleichnamigen Grenzfluss gegenüberliegenden Burgen zu erkennen: auf estnischer Seite die Hermannsfeste und am russischen Ufer die Burg Iwangorod. Die Hermannsfeste bestimmt größtenteils das Stadtbild Narvas. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde immer weiter ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie, wie der Großteil der Stadt, fast vollständig zerstört und ist nun größtenteils wieder aufgebaut. In Narva steht das einzige übrig gebliebene Lenin-Denkmal im Baltikum. Allerdings wurde es vom Zentrum der Stadt in den Schlosshof gebracht.Südlich der Stadt Narva erstreckt sich der 140 km lange Peipsi järv (Peipus See).

Da der See im Durchschnitt nur acht Meter tief ist, hat er im Sommer eine Temperatur von mindestens 22°C und eignet sich deshalb hervorragend zum Baden. Sandstrände und Föhrenwälder umrahmen den riesigen See. Die am Ufer liegenden Dörfer sind zum Teil estnischen, zum Teil russischen Ursprungs. In dem Ort Kallaste gibt es ein Museum der altgläubigen Katholiken.

Saaremaa (früher: Ösel). Der Naturraum der größten Insel Estlands ist wunderschön: eine zergliederte Küste, mal flache Steinstrände, mal Steilküste, Wälder, Moore und Findlinge. In der Nähe der Stadt Karja befinden sich auf einem Hügel fünf Windmühlen. Noch am Anfang des vergangenen Jahrhunderts hatte jedes Dorf auf Saaremaa einen solchen Windmühlenhügel. Die fünf Mühlen stehen, im Stil der ersten europäischen Windmühlen, auf hohen Steinsockeln. Im Osten der Insel liegt der fast kreisrunde See Kaali. Er hat einen Durchmesser von etwa 50 m, und um seine Entstehung ranken sich zahlreiche Sagen. Tatsächlich handelt es sich um einen Meteoritenkrater, der vor circa 3.500 Jahren entstand. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem der Kurort Kuressaare (dt. Arensburg) mit seiner Burg, das Naturschutzgebiet Lümanda-Suurissoo-Moor mit einer großen Artenvielfalt, unter anderem auch Orchideen, und die Insel Muhu, die mit Saaremaa über einen Damm verbunden ist.

Hiiumaa (dt. Dagö). Ähnlich wie Saaremaa beeindruckt auch die zweitgrößte Insel des Landes mit einer erstaunlichen Vielfalt: Dünen, flache Sandstrände und Lagunen, raue Steinküste, weite Ebenen, kleine malerische Bachläufe... Auf der höchsten Erhebung Hiiumas, die nur knapp 70 m über dem Meer liegt, befindet sich der Leuchtturm Kõpu. Am Ostende, der Halbinsel Tahkuna, steht ein weiterer sehenswerter Leuchtturm. Er wurde Ende des 19. Jahrhundert in Paris aus Gusseisen gefertigt. In der Architektur der Dörfer spiegelt sich der langjährige Kampf um die Insel zwischen Russland und Schweden wider.

Im Südwesten Estlands liegt das Hochland von Otepää. Für westeuropäische Verhältnisse scheint die Bezeichnung ››Hochland‹‹ im wahrsten Sinne des Wortes etwas hoch gegriffen, schließlich liegt die höchste Erhebung, der Suur Munamägi (Großer Eierberg), gerade mal auf 318 m. Vom Leuchtturm aus hat man allerdings eine wunderschöne Sicht auf die umgebenden Hügel und die ca. 130 Seen. Der bekannteste ist der Puhajärv (Heiliger See) mit seinen unzähligen Buchten und Halbinseln. Das Hochland von Otepää eignet sich hervorragend für Ausflüge.

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