Einfallsreichtum ist eine Sache, die Umsetzung der Ideen die andere. Beides beherrscht man in Dänemark ganz gut, was sich ausgezeichnet an der Energie- und Umweltpolitik des Landes belegen läßt.

Augenscheinlichstes Merkmal sind die zahllosen Windenergieanlagen, die schon heute fester Bestandteil des dänischen Landschaftbildes sind. Sie erscheinen als logische Konsequenz aus der Tatsache, daß Dänemark nur über begrenzte fossile Rohstoffe (Gas und Öl) verfügt und der Atomkraft schon in den achtziger Jahren eine klare Absage erteilt hat. Die Energiegewinnung durch Windkraft ist nur eine Variante umweltfreundlicher Energieversorgung:
Ein gut ausgebautes Fernwärmenetz kann sich ebenfalls sehen lassen, und neue dezentrale Energiequellen wie Solarzellen, Strohkraftwerke und Biogasanlagen sind stark im Kommen.Was die Verhinderung von Schadstoffausstoß anbetrifft, so geht Dänemark auch hier ungewöhnliche Wege. Beispiel Auto: Ein Auto, was gar nicht erst fährt, macht am wenigsten Dreck. Nach dieser Devise sind Neuwagen mit einer sogenannten Luxussteuer in Höhe von 100% belegt. Beispiel Energiesteuer: Sie wird seit 1993 von der dänischen Wirtschaft als einziger in Europa bezahlt, obwohl sie für den Industriestandort Dänemark wettbewerbsverzerrende Wirkung hat. Mit den eingenommenen Geldern werden u.a. Förderprogramme finanziert, die für noch effizientere Energieversorgungssysteme sorgen.
Das verstärkte dänische Umweltschutz-Engagement der letzten Jahre hat mehrere Ursachen. Eine ganz wichtige Rolle spielt die dänische Lebensweise, die geprägt ist vom besonderen Respekt gegenüber dem Individuum. Dennoch fühlt man sich gleichzeitig in vielerlei Hinsicht gemeinschaftlich verbunden und hat ein ausgeprägtes Fürsorge- und Verantwortungsbewußtsein. Davon profitieren auch andere: Jedes Jahr fließen dreistellige Millionenbeträge für Umweltprojekte in die osteuropäischen Länder.
Als Tourist spürt man - vom geringen Autoverkehr abgesehen - von all dem nicht so viel, vielmehr freut man sich über die sauberen Strände, die in jedem Jahr fast alle das Gütesiegel der europäischen Gemeinschaft, die "Blaue Flagge" erhalten.
Neueste Auszeichnung für ökologisches Denken ist der "Grüne Schlüssel", ein Umweltzertifikat für Hotels und Pensionen, die bestimmte Umwelt- und Gesundheitsanforderungen erfüllen. Dazu gehören u.a. begrenzter Wasser- und Stromverbrauch, der Gebrauch umweltfreundlicher Reinigungsmittel, die Abschaffung der elenden Portionspackungen oder das Verbot von Pestiziden auf Freiflächen.
Was kommt als nächstes?
(Reinhard Ilg)
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