Oslo zu allen Jahreszeiten
Oslo zu allen Jahreszeiten Oslo ist schon ein seltsames Pflaster. Während zahllose Großveranstaltungen der Stadt einen Hauch von Weltmetropole verleihen, locken nebenan die schönsten Fahrrad-, Wander- oder Skireviere. Langweilig wird es in der norwegischen Hauptstadt jedenfalls nie!
Würde man einen Holländer fragen, ob er Fahrrad fährt? Nein, doch… ähnlich
verhält es sich mit Norwegern und Skifahren. Sobald die ersten weißen Flocken über die massiven Rathaustürme rieseln, wird Oslo vom Skifieber gepackt. Dann werden Menschen, die mit geschulterten Skiern Bus und S-Bahn besteigen, rasch wieder zum vertrauten Bild in den Straßen der Innenstadt. Børge Ousland ist einer von ihnen. "Mit der U-Bahn bin ich in 30 Minuten in Frognerseteren, wo ich gleich auf einer der vielen gespurten Loipen in den Wald verschwinden kann," sagt Norwegens bekanntester Polarabenteurer. Dem Geologiestudenten Kjetil Rinsen gefällt, dass er "… nach der Vorlesung eine schöne Langlaufrunde drehen und anschließend in der City in seinem Lieblingslokal 'Blå' noch einem fetzigen Live-Konzert lauschen kann".
2.500 km gespurte Loipen und zahllose Hütten erschließen die Oslomarka. Sowohl Langlaufanfängern als -profis bietet die waldreiche Hügellandschaft rund um die norwegische Hauptstadt nahezu unbegrenzte Tourenmöglichkeiten. Beliebt ist etwa eine Tagestour von Ringkollen über die Løvlia-Hütte (Einkehrmöglichkeit) nach Lommedalen. Eine Strecke von 29 km - fast nur bergabwärts! Zum Ausgangspunkt gelangt man mit dem (am Wochenende verkehrenden) Sonderbus des "Skiforeningen" (NOK 150), zurück geht es mit den regulären Bussen. Für Konditionsstärkere locken mehrtägige Touren mit Hüttenübernachtung(en) - z.B. die klassische Dreitagestour von Frognerseteren über Kikut (3-4 Std.) und Løvlia (5-6 Std.) nach Sørkedalen (4-5 Std.).Doch nicht nur Langlaufskifahrer kommen auf ihre Kosten. Auch rasante Abfahrten sind in der Oslomarka durchaus möglich - u.a. im "Tryvann Skisenter". NOK 230 kostet eine Tageskarte für die sieben Abfahrtspisten dieses "Skizentrums im Westentaschenformat" beim Tryvannstårnet. Die längste Piste ist die 1.400 m lange "Wyllerløypa" - sie überwindet immerhin einen Höhenunterschied von 290 m. Für Snowboarder bietet sich die mit Funboxen und weiteren Hindernissen gespickte "Tårnbakken" an.
Mehr Nervenkitzel gefällig? Dann wäre eine rasante Schlittenabfahrt im "Korketrekkeren" (Korkenzieher) genau das richtige. Noch in den 80er Jahren wurden auf der 2 km langen Strecke von Frognerseteren zum 250 m tiefer liegenden Midstuen regelmäßig Rennen durchgeführt. Um den Schlittenfahrern den richtigen Schwung zu geben, wurde die Schneefläche sogar zusätzlich vereist. Geschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern und mehr waren deshalb keine Seltenheit. Heute sausen an Spitzentagen bis zu 800 Erwachsene und Kinder mit 50 bis 60 Sachen die steile und kurvige Piste hinunter. Die Benutzung der Strecke, die teilweise dem Verlauf der Bobbahn der "Olympischen Winterspiele" von 1952 folgt, ist kostenlos. Schlitten können vor Ort (NOK 70/Tag) gemietet werden. Hinzu kommt lediglich eine Tageskarte bzw. die Oslo-Card, um von Midtstuen mit der U-Bahn wieder zum Ausgangspunkt Frognerseteren hochzufahren.
Zwei Nationalfeiertage
Norwegen hat eigentlich zwei Nationalfeiertage: den "offiziellen" am 17. Mai und… "Holmenkollen Sonntag". Tatsächlich verkörpert der sportliche Höhepunkt des Weltcup in der Nordischen Kombination für viele auch ein Stück norwegischer Seele. An jenem Sonntag in der ersten Märzhälfte steigen Zehntausende zum Holmenkollen hinauf, um den wagemutigen Springern zuzujubeln, die sich von der riesigen Schanze in die Tiefe stürzen. Aus der Taufe gehoben wurde das Holmenkollen-Springen im Jahr 1892. Einen ungewöhnlichen Teilnehmer hatte die 1922er Ausgabe, als… König Olav V sein Debüt als Holmenkollen-Springer gab. Das Siegen scheinen die Norweger allerdings verlernt zu haben. Für den letzten norwegischen Sieger muss man schon bis 1993 (Espen Bredesen) zurückgehen. 30.000 Zuschauer (darunter König Harald) mussten auch bei der jüngsten Ausgabe des Klassikers (am 9. März.) leidsam mit ansehen, wie erneut ein "Fremder" - der polnische Gesamtweltcupsieger Adam Malysz - auf "ihrem" Holmenkollen den Sieg einheimste.
Zu einem Volksfest gerät auch immer das von vielen Tausenden verfolgteLanglauf Weltcuprennen über 50 km. Viele Besucher treffen schon am Donnerstag ein, um sich beim Finale (am Samstag) ein gutes Plätzchen zu sichern. Man schläft im Zelt und entfacht Lagerfeuer. Im tiefverschneiten Wald weht vielerorts die norwegische Fahne, überall vermischen sich Gelächter und Musik mit dem Duft von Bratwurst.
Kaum sind nun aber die letzten Langläufer erschöpft im Ziel eingetroffen, die Jubelschreie an der Sprungschanze verklungen, da ist es um den Winter auch schon geschehen. Man spürt es gleich: Nach vielen Monaten klirrender Kälte hat die Sonne Ende März endlich genügend Kraft gesammelt, um dem Schnee den Garaus zu machen. Jetzt treiben die ansteigenden Temperaturen die Leute scharenweise nach draußen. Im Straßenbild tauchen plötzlich Tische und Stühle auf und ausgelassen begeht man mit dem ersten utepils das Ende der kalten Jahreszeit. Während man von der Holmenkollen-Sprungschanze in der Ferne noch schneebedeckte Berge erblickt, blühen unten beim Rathaus die Tulpen so üppig, dass man meinen könnte, man wäre in Amsterdam…
Dass man sich aber sehr wohl in Norwegen befindet, wird spätestens am 17. Mai deutlich, wenn sich die ganze Stadt in ein riesiges rot-blau-weißes Fahnenmeer verwandelt. Am Nationalfeiertag ist die Zeit gekommen, um die prachtvollen bunader (Nationaltrachten) aus dem Schrank zu holen. Viele werden den Tag nach alter Tradition mit einem Heringsfrühstück und Aquavit beginnen. Später werden Räucherlachs, bløtkake (Sahnetorte) und schaumig geschlagene Eier gegessen. Kinder freuen sich ganz besonders über diesen Tag, an dem sie traditionell unbegrenzte Mengen von Hotdogs und Eis essen dürfen. Überall in der Stadt ziehen jetzt Festzüge mit Musikkapellen und fahnenschwenkenden Schulkindern durch die Stadt. Die Abiturienten, die schon seit mehreren Tagen in bunt bemalten Bussen herumfahrend die Stadt mit lauter Dauermusik beschallen, haben ihren eigenen Umzug (russetog). Anlässlich der Abschlussfeiern sind sie traditionell ganz in rot oder blau (Wirtschaftsgymnasium) angezogen. Als krönender Höhepunkt ziehen alle Umzüge durch die Karl Johans gate zum Schloss, wo die königliche Familie vom Balkon den Massen zuwinkt.
Mittelmeer-Feeling
Immer länger werden nun die Tage. Der Höhepunkt des Sommers ist am Abend des 23. Junis. Das Ereignis, bekannt als St. Hans aften, wird überall zünftig gefeiert - mit Musik, Tanz und St. Hansbål, dem Freudenfeuer, das nach altem (heidnischem) Brauch böse Geister fernhalten soll. Traditionell fahren alle, die ein Boot ihr eigen nennen, in dieser extrem kurzen Nacht auf den Oslofjord hinaus.Die angenehmen Temperaturen (oft 20 Grad und mehr) locken die Städter im Sommer zu Tausenden in die vielen Parks - zum Grillen, zum Lesen, zum Plaudern oder einfach so. Während man auf einer Bank am Rathaus die frisch vom Boot gekauften Krabben puhlt und das rege Treiben auf dem Oslofjord betrachtet, kommt so etwas wie "Mittelmeer-Feeling" auf. Da möchte man sofort hinausfahren - z.B. mit einem der vielen Kleinfähren, die vom Vippetangen-Kai zu den vorgelagerten Inseln aufbrechen. Nur fünf Minuten dauert die Überfahrt zur grünen Insel Hovedøy mit den Ruinen eines Zisterzienserklosters von 1147. Zu entdecken gibt es auf der kleinen Insel aber noch mehr: die Überreste einer Schiffswerft (von ca. 1600), alte Militäranlagen und winzige Buchten. Einen Steinwurf entfernt wirbt das Inselchen Langøyene mit herrlichen Stränden und dem einzigen Zeltplatz des Archipels. Erstklassige Strände gibt es indes auch auf der Museumshalbinsel Bygdøy (Paradisbukta und Huk) und beim Henie Onstad Kunstsenter (12 km westlich von Oslo). Und natürlich locken die vielen herrlichen Badeseen der Stadt - vom großen Bogstadvannet (im Nordwesten) bis zum malerisch im Wald eingebetteten Sognsvann (im Norden). Aktivurlauber zieht es jetzt vor allem in das beliebte Wander-, Fahrrad- und Kanuparadies der Oslomarka. Eine populäre Tageswanderung führt z.B. von Frognerseteren zur gemütlichen, alten Skjennungstua-Hütte und von dort zum Sognsvann-See (10 km) hinunter. Ein weiterer beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren ist der Bahnhof von Stryken (Fahrräder können problemlos im Zug mitgenommen werden). Empfehlenswert ist beispielsweise eine zweitägige Wanderung zur malerisch am See liegenden Katnosdammen-Hütte und von dort hinunter nach Sørkedalen (Gesamtdistanz: ca. 30 km). Die Hütte ist unbemannt, einen Schlüssel erhält man als DNT-Mitglied im Osloer Büro.
Sommer der Festivals
Der Sommer ist auch die Saison der großen Festivals. Von Kammerkonzerten ("Oslo Kammermusik Festival") bis Jazz ("Oslo Jazz Festival") und Rock ("Norwegian Wood") reichen die Events, von denen sich viele in den letzten Jahren einer rasch wachsenden Popularität erfreuen konnten. Stellvertretend sei hier nur das "Øya Festival" genannt, dessen Besucherzahlen von 1.200 (1999) auf 16.000 (2002) anstiegen. Auch bei der fünften Ausgabe des im Middelalderparken (dort, wo im 11. Jh. die Wiege Oslos stand) durchgeführten Festivals werden junge, talentvolle norwegische und ausländische Rockbands im Mittelpunkt stehen. Beim "Norwegian Wood", einem weiteren Top-Event, sind es dagegen vor allem die großen, etablierten Stars wie Bob Dylan, Sting und Simple Minds, die im Vigelandspark die Massen mobilisieren.Wenn sich die Blätter allmählich gelb und rot zu färben beginnen, sind die meisten ausländischen Gäste jedoch längst abgereist. Beim "Indian Summer", der im Oktober Alleen, Parks und Wälder "in Brand setzt", sind die Hauptstädter wieder unter sich. In großer Zahl nutzen sie die letzten schönen Herbstwochenenden, um mit Kind und Kegel in den Grünanlagen spazierenzugehen - ein letztes kollektives Aufbegehren gegen den unabwendbaren Winter.
Bald wird in den luxuriösen Shoppingpalästen der Innenstadt die Adventsbeleuchtung angezündet werden, werden dichte Menschenmassen wieder die festlich herausgeputzte Karl Johans gate rauf und runterlaufen und werden auf der daneben befindlichen Eispiste "Narvisen" Kinder und Erwachsene unter Musikbegleitung ihre Schlittschuhrunden drehen. Dann wird auch der Schnee die bewaldeten Höhenzüge und schließlich die gesamte Stadt zudecken, während Mann oder Frau sich überlegt, ob es nicht an der Zeit ist, die langen Latten wieder vom Dachboden zu holen…
Infos
Skiforeningen
Siehe "Oslo Events".
Infos Langlauftouren, Hütten.Akeforeningen i Oslo
www.akeforeningen.no
Info Korketrekkeren, Schlittenverleih.A/S Skiservice
post@skiservice.no
www.skiservice.no
Skiverleih/-service.Tryvann Skisenter
info@tryvann.no
www.tryvann.no
Größtes alpines Skigebiet. 7 Pisten und 6 Lifte. Max. Höhendifferenz: 290 m.DNT Oslo og Omegn
turinfo@dntoslo.no
www.dntoslo.no
Organisierte Ski-/Wandertouren und Hütten in der Oslomarka.Syklistenes Landsforening (SLF)
post@slf.no
www.slf.no
Auskünfte über Fahrradtouren/-literaturMEIN OSLO
Ute Schumacher lebt als Praktikantin einer Marketingfirma periodisch in Oslo.
Was war für Dich die spannendste Veranstaltung, die Du in Oslo erlebt hast?"Da erinnere ich mich noch gut an eine Abendwanderung im Kerzenlicht entlang des Akerselva-Flusses. An dem Abend - es war der 19. September - hatte man den ganzen Flusslauf mit 1.800 Kerzen ausgeleuchtet. Am Wegesrand sangen Chöre und spielten Orchester. Es gab auch Theaterinszenierungen, Tänzer und Feuerschlucker. Insgesamt war die Atmosphäre märchenhaft und verzaubert."