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Ich
liebe das Singen mehr
als
alles andere auf der Welt
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(Text
und Interview: Annette Deibel / alle Bilder:
matthias duschner, response)
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Emiliana
Torrini, die - wie sie sagt - "erste
Halbitalienerin Islands", tourt
zur Zeit als
Support
von Gabrielle durch Deutschland. Nordis sprach mit
der jungen Künstlerin, bevor sie ihre
Reisetasche packte.
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Wie
geht es dir? Bist du schon gespannt auf deine Tour
in Deutschland?
Ja,
sehr. Meine Familie wird im Publikum
sein.
Deine
erste Tour war ein großer Erfolg. Alle
Tickets waren ausverkauft. Jetzt trittst du in viel
größeren Hallen auf.
Ja,
aber ich bin auch Support für Gabrielle. Da
werden die Leute reinkommen oder rauslaufen. Wir
werden sehen. (lacht)
Als wir das erste Mal nach Deutschland kamen und so
viele Menschen kamen, dachten wir: Oh mein Gott,
die wissen gar nicht, wer hier singt. Die
verwechseln uns mit jemandem. Ein
Missverständnis!
Für
den Erfolg eines Künstlers ist es sehr
wichtig, dass er oder sie gerne auf Tour geht. Wie
ist das mit dir?
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Ich
liebe die Tour. Aber ich denke dabei nicht an den
Erfolg. Für mich ist es wichtig, weil ich so
gerne andere Menschen durch meinen Gesang mit in
meine Welt nehme auf der Bühne. Ich liebe das
Singen mehr als alles andere auf der Welt. Und es
live zu tun ist unschlagbar.
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Das
kann man dir ansehen!
Ja,
so ist das auch. "What you see is what you get".
Ich mag es, wenn alles organisch ist. Ich singe
einen Song nie mehr als zweimal im Studio, weil man
das Gefühl einfangen muss, die
Stimmung.
Deine
Musik entsteht in Teamwork. Schreibst du die Texte,
jemand anderes die Musik?
Oh,
das ist ein Prozess. Als ich Egg White traf, hat es
3 Monate gedauert, bis ich überhaupt einen Ton
von mir gegeben habe. Ich bin sehr schüchtern,
wenn es ans Songschreiben geht. Wir wurden aber
sehr gute Freunde und hatten viel Spaß. Mit
Menschen ohne den richtigen Humor könnte ich
gar nicht zusammen arbeiten. Wir haben dann im
Grunde alle Songs gemeinsam geschrieben.
Stört
es dich eigentlich, dass dich alle in einem Atemzug
mit Björk nennen?
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Wenn
Leute dich vergleichen, dann nehmen sie dir auch
immer etwas von deiner Individualtiät. Na ja,
es ist doch einfach so: Die meisten Menschen auf
der Welt haben noch nie einen Isländer
gesehen. Björk war einfach die erste
Isländerin, die sie getroffen haben, die sie
sprechen und singen hörten. Damit ist sie auch
die Einzige, mit der man die nächste
Isländerin vergleichen kann. Also hat das eher
mit fehlenden Vergleichsmöglichkeiten zu tun
als mit etwas anderem.
Ich wurde mit so vielen Künstlern verglichen -
irgendwie muss es ja etwas geben, das nur von mir
ist. Wenn man etwas tut, das nur aus seinem selbst
kommt, dann kann man es eigentlich nicht
vergleichen - es ist der Ausdruck dessen, was du
bist.
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Hast
du Björk getroffen?
Oh
ja, jeder kennt jeden in Island. Speziell in der
Musikszene.
Habt
ihr zusammen Musik gemacht?
Nein,
wir sind zwei völlig verschiedene Leute. Jede
macht ihr eigenes Ding.
Wo
trifft man sich in Reykjavík?
In
Reykjavík gibt es einen sehr guten Club.
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Björk
ist dort schon als DJ aufgetreten. Ich gehe zum
Tanzen hin, wenn ich dort bin. Am allerbesten ist
es aber, man nimmt seine eigenen CD-Player mit raus
in die isländische Natur. Dann kann man
spielen, was man will, und kann draußen eine
tolle Party haben. Zehn Jacken anhaben, im Schnee
tanzen, das ist Klasse. Besser als jeder Club. Die
gibt es überall - aber draußen in der
isländischen Natur, das ist schon sehr
speziell.
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Deine
Songs erinnern an skandinavische Musik-Tradition.
Viel Wehmut, viele Metaphern und Bilder. Hast du
traditionelle Wurzeln?
Nein,
in Island wächst man einfach mit
traditioneller isländischer Musik auf. Ich war
sechs Jahre lang im Chor. Für mich ist es die
spannendste Musik der Welt, und sie hat diese
Melancholie, dieses Geschichten-Erzählen.
Außerdem bin ich ein einziger Schmelztiegel
der Kulturen, denn ich komme aus zwei komplett
unterschiedlichen Ländern.
Viele
Journalisten finden es exotisch, dass du halb
Italienerin, halb Isländerin bist und suchen
diese Elemente auch in deiner Musik. Siehst du dich
als Exotin? Ist das ein zentraler Punkt in deiner
Musik?
Wenn
man auf Island aufwächst als Halb-Italienerin
und es gibt dort kaum Fremde, dann ist man immer
irgendwie anders. Du passt niemals ganz in diese
Kultur, hast andere Ideen, andere Gedanken. Man
baut schneller seine eigene, kleine
Welt.
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Und
letztlich bin ich Halbitalienierin und
Halbisländerin - warum sollte man es also
nicht in dem spüren, was ich mache? Es ist
schon eine extreme Mischung.
Das Andere ja immer besonders interessant für
die Leute.
Das ist dann immer ein bisschen, als ob man einen
Dinosaurier entdeckt hat. (lacht)
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In
welcher Sprache schreibst du deine
Songs?
Manchmal
auf isländisch, danach übersetze ich sie
ins Englische. Manchmal direkt in Englisch.
Manchmal schreibe ich auch einfach eine Geschichte
und mache dann Verse dazu.
Du
sprichst viele Sprachen. Welche siehst du als deine
Muttersprache?
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Isländisch.
Aber ich kann auch Deutsch und Englisch. Das musste
ich viel sprechen, als ich noch ein Kind war und
wir oft umgezogen sind.
Kein
Italienisch?
Das
habe ich verlernt. Wenn ich vielleicht zwei Monate
in Italien wohnen würde, hätte ich wieder
alles parat. Ich lebe woanders und beginne, in der
anderen Sprache zu denken. Für mich ist es
sehr natürlich, andere Sprachen zu
sprechen.
Du
lebst in London, fluchst du auch auf
Englisch?
Wenn
ich alleine bin, nicht. Dann auf Isländisch.
(lacht)
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Während
deiner Jugend mussten deine Eltern oft umziehen, Du
hast viel Zeit bei Verwandten in Island und
Deutschland verbracht. Hast du ein Zuhause oder
fühlst du dich heimatlos?
Ich
bin definitiv heimatlos, auch wenn ich irgendwo
lebe. Ich bin immer ziemlich durcheinander und
weiß nie so genau, wo ich bin - es ist mir
einfach nicht so wichtig. Ich bin immer in
Bewegung. Es gibt so viele Menschen, in die man
sich verlieben kann, so vieles zu lernen in einer
neuen Umgebung. Durch meine Biografie bin ich es
gewohnt, viele Zuhause zu haben. Ich liebe
es.
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Dadurch
kann ich gehen, wohin ich will. Habe viele Freunde
überall. Für mich ist das toll.
Irgendwann möchte ich mein kleines Haus und
Kinder auf Island haben, aber vorher muss ich mich
noch viel bewegen.
Trittst
du wieder mit der gleichen Band auf?
Ja,
wie im Frühjahr. Wir schreiben gerade an neuen
Songs für eine neue CD.
Viel
Glück in Deutschland und danke!
Ich
danke dir auch.
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