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THANK
YOU
FOR THE
MUSIC
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Schwedens
Musikbranche als Exportschlager
Als
ABBA 1974 die europäische Bühne und bald darauf
die ganze Welt eroberte, war der große weiße
Fleck im Norden der musikalischen Weltkarte
plötzlich verschwunden. Der populäre Musikmarkt
entdeckte Schweden. 1999 legte eine große
staatliche Untersuchung beeindruckende Zahlen vor und die
Presse schloss daraus »Schweden ist das
erfolgreichste Musikland der Welt!«
Nordis wirft einen Blick backstage.
Von
Annette Deibel
Die
Feststellung, Schweden sei das erfolgreichste Land der
Welt, mit der der schwedische Journalist Karlsson seinen
Artikel über die schwedische Musikindustrie
betitelte, ist natürlich relativ. Ein wenig
statistische Magie gehört schon dazu, um die Dinge
mit so viel Selbstbewusstsein vortragen zu können.
Gemessen am weltweiten Umsatz von Tonträgern nimmt
Schweden einen bescheidenen Platz hinter u.a. den USA,
Japan, Deutschland, Großbritannien und Brasilien
ein. Beschränkt man allerdings die Perspektive auf
den englischsprachigen Musikmarkt und setzt die
Einkünfte aus allen musikalischen
Exportgeschäften in Relation zur Bevölkerung,
dann ist Schweden bereits der drittgrößte
Musikexporteur der Welt nach den USA und
Großbritannien. Tatsache ist auch, dass schwedische
Musik die Kassen des eigenen Landes ordentlich zum
Klingen bringt. Mit gut drei Milliarden schwedischer
Kronen an Exporteinnahmen aus Musik sind nicht nur die
Künstler und Produzenten zufrieden. Auch der
Handelsminister strahlt, wenn ABBAs »Money, Money,
Money« irgendwo in Paraguay aus dem Radio scheppert
und die Tantiemen über weltweit geregelte Bahnen
zurück nach Stockholm fließen. Und hier sind
wir wieder bei Karlssons Headline angekommen: Betrachtet
man die Einnahmen aus Tantiemen pro Kopf, hat kein
anderes Land der Welt soviel an Musik verdient wie
Schweden. Ergo: Schweden ist das erfolgreichste Musikland
der Erde.
Kool
Sweden
Auf
der größten europäischen Musikmesse
Popkomm lässt sich jenseits von Statistiken
ermessen, welch rührige und vielfältige Branche
hinter den Zahlen steht. Im Gespräch mit den Machern
der Musikwelt eröffnet sich eine Reihe von Antworten
auf die Frage nach den Gründen des Erfolgs. Zum
wiederholten Male nahm Schweden unter dem Motto
»Kool Sweden« mit einem Gemeinschaftsstand an
der Popkomm in Köln teil. Rund 35 Firmen mit circa
80 Vertretern hatten sich in den vom ExMS (Export Music
Sweden) organisierten Schweden-Stand eingemietet:
Musikverlage, Plattenfirmen, Vertriebe, Studios,
Videoproduzenten, Verbände u.v.m. Ein Konzept, das
Sinn macht. Nur ganz wenige der Beteiligten hätten
sich eine eigene Vertretung leisten können, denn die
heiß begehrte und umworbene Messe lässt sich
ihre Rolle als Kontaktforum gut bezahlen.
Damit
zeigt sich schon eine erste wichtige Fähigkeit, die
dem Land im Kampf um die Konsumenten einen Vorteil
verschafft. Ganz im Wirtschaftsgeist der Siebziger Jahre
bündelt man - auch als Konkurrenten - seine
Kräfte und teilt damit den Kuchen so, dass alle
etwas abbekommen. Synergetische Arbeitsweise ist keine
schwedische Erfindung, aber landesweit auf eine ganze
Branche angewendet bemerkenswert. Die Gründung der
Interessenvertretung ExMS, die seit 1993 für die
Förderung schwedischer Musik im Ausland arbeitet,
symbolisiert dieses Konzept. Klas Palmqvist von der
Independent Media-Group fasst es so zusammen: »Wir
alle haben ein extrem gutes Teamgefühl. Jeder kann
sich in ein Musikprojekt einbringen und zum Erfolg
beitragen. Wenn man zusammen arbeitet, hat jeder was
davon.« Zu dieser Haltung passt auch die Arbeit der
Firma Noteheads, die ein neuartiges
Musik-Notations-Programm herausgebracht hat, dass man
sich über das Internet als Freeware - also gratis -
herunterladen kann.
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Prinzip
"What you see is what you hear" - Notenprogramm
Igor Engraver von Note-Heads.

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Emma
Härdelin, Sängerin der New-Folk Band
"Garmarna" begann ihre Karriere in einer
Volkshochschule. Mittlerweile arbeitet sie auch
mit ex-ABBA Benny Andersson zusammen.
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Talentschmiede
Musikschule
Aber
das allein ist keine Erklärung für den Erfolg
der Schweden, denn auch die Nachbarn Finnland, Norwegen
und Dänemark treten als Interessengruppen
auf.

Carl
Lindencrona,
Geschäftsführer des schwedischen
Musikverleger-Verbandes SMFF, setzt an der Basis an -
dort, wo Musik entsteht. »Schweden besitzt über
280 staatlich geförderte kommunale Musikschulen, das
heißt in jeder Gemeinde des Landes kann man das
Musizieren lernen. Darüber hinaus gibt es den
Studienverbund in der Erwachsenenbildung, viele
Musikvereine, Laienorchester, Chöre. Das ist eine
ungeheure Talentschmiede.« In der Tat gehören
90% der Schweden mindestens einem Verein aus dem
Kulturbereich an (dazu zählen allerdings auch
Tanzgruppen und Theatervereine). Aktive Musikarbeit ist
eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in
Schweden. Über Nachwuchssorgen klagt dort
niemand.
Glaube
an »Feuerseelen«
Anders
Hjelmtorp, von 1983 bis 1999 Chef von Musik-Multi Virgin
in Schweden, sieht in ABBA die Initialzündung eines
gigantischen musikalischen Apparates, der jährlich
effektiver und größer wird: »ABBA hat die
Tür geöffnet. Danach kam erstmal nichts mehr in
dieser Größenordnung. Aber mit der Rockwelle
der 80er Jahre schwammen tausende von kleinen Bands nach
oben, die zwar keine Stars wurden, aber international
viele Einheiten (sprich CDs) verkauften. Daher rollte der
Rubel trotzdem.« Es folgten wieder Mega-Bands wie
Roxette, Cardigans, Ace of Bace, Dr. Alban, die alle zum
großen Wirtschaftserfolg beitrugen. Andere sind
zwar Riesenstars, aber am anderen Ende der Welt. Ihr
Markt ist Japan, wo sich schwedische Musik hervorragend
verkauft. Pandora, »unsere kleine Anneli Magnusson
aus Västerås«, wie Hjelmtorp sagt, ist
dort beste ausländische Newcomerin nach den Spice
Girls. Ihre neueste CD wird erst gar nicht in Europa oder
den USA vermarktet, sondern nur in Asien. Neben den
Sängern selbst arbeiten natürlich noch andere
Künstler am Erfolg der Branche mit. Auch dort, wo
man zunächst keinen Skandinavier erwartet. Hinter
den US-Stars Britney Spears und den Backstreet Boys zum
Beispiel steckt ein schwedischer Produzent. Darüber
hinaus steckt die Musikwelt voll schwedischer
Komponisten, Regisseuren von Musikvideos (für
Madonna zum Beispiel) - und so weiter, und so
weiter.
Aber
der beste Künstler verdient kein Geld, der beste
Komponist erhält keine Tantiemen, wenn die Musik
nicht aufgeführt und vermarktet wird. Und hier sieht
Hjelmtorp eine weitere Wurzel des Erfolgs. Motivierte
Produktmanager in der schwedischen Musikindustrie glauben
an ihre Künstler. »Eldsjälar«
(Feuerseelen) nennt er sie. Zum Musikmarketing im
großen Stil gehört nämlich vor allem eine
interne Promotion und Verkaufsarbeit, ohne die ein
Künstler keinen Erfolg haben kann. Mittlerweile ist
die Herkunft aus dem Norden zum brancheninternen
Qualitätssiegel geworden.
Auch
die Künstler selbst verfügten über eine
überdurchschnittliche Motivation, so Hjelmtorp.
Schweden ist so klein, da sei man es einfach
gewöhnt, dass man reisen muss, um auf sich
aufmerksam zu machen: Promotion-Touren, Interviews, das
Publikum suchen.

Kamen vor
allem durch interne promotion auch in
Deutschland groß raus:
A*Teens
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Schreibt
alle seine Texte direkt in Englisch:
Nicolai Dunger, ein sympatischer Singer /
Songwriter aus Nordschweden, dessen
Kontinental-Karriere gerade beginnt.
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Wer
als Künstler keine Klinken putzen möchte, hat
kaum eine Chance. Dass man sich auf internationalem
Parkett so problemlos bewegen kann, hängt
natürlich auch damit zusammen, dass nahezu jedermann
in Schweden Englisch spricht. Filme werden nicht
synchronisiert, Literatur (vor allem Fachbücher)
nicht immer übersetzt. Man wächst praktisch mit
der Fremdsprache auf. Für viele Songwriter ist daher
Englisch auch die Sprache, in der sie ihre Texte
schreiben, die somit einem internationalen Markt
zugänglich gemacht werden können.
Alles
in allem strategische Vorteile in einem Siegeszug, der
1974 mit einem Waterloo begann und dessen Ende nicht
abzusehen ist. Schweden ist ein musikalisches
Ausnahme-Land, das sich mit hervorragenden Leistungen,
hochmotivierten Beteiligten und einem enormen
Selbstbewusstsein auf internationalem Parkett
präsentiert.