Mit Huskies durch Lappland

Im März 1996 brechen sechs Hundeschlittenfahrer aus der Schweiz, Deutschland und Norwegen mit 43 Hunden zu einer 26 tägigen Hundeschlittenexpedition in Nordnorwegen auf. Ihr Weg führt sie durch die großen schwedischen Nationalparks nördlich des Polarkreises. Der Sarek - ohne jegliche Infrastruktur - gehört zu den unzugänglichsten Parks. Seine Durchquerung liegt im Zentrum dieser Expedition.

Von Björn Klauer

Bigge ist mein Leithund. Ein schwarzweiß geflecktes Fell, zwei kleine, stehende Ohren und zwei tiefbraune Augen sind seine Markenzeichen. Als Stimmungsbarometer dient ihm der buschige Schwanz. Am Morgen wartet er ungeduldig in seinem Geschirr vor dem Schlitten auf das Startsignal. Seine Rute steht über dem Rücken leicht gekrümmt, so daß die Spitze fast wieder den Rücken berührt. So sieht auch das Bild der ersten Kilometer aus. Später, wenn das Ziehen in Arbeit ausartet, wenn der Schlitten bergauf gewuchtet wird oder lockerer Schnee jeden Schritt schwer macht, fällt das Barometer. So tief, wie man es von einem Schäferhund gewohnt ist. Erst unsere kleinen Spiele beim Ausschirren, die an das Tollen einer Katze mit einem Wollknäuel erinnern, stellen den Schwanz wieder auf. Dann springt er mit beiden Vorderpfoten in meine Richtung, dreht sich in meinen Händen und dem halb ausgezogenen Geschirr einmal um sich selbst, um dann wieder mit den Pfoten in den Schnee zu springen. Dabei sieht es dann so aus, als wolle er eine Maus stellen.

Als Leithund läuft er jetzt an der Spitze meines Gespanns. Sein Blick ist fast immer nach vorne gerichtet. Das einzige, was auf eine Verbindung zwischen uns schließen läßt, sind seine zwei, nach hinten gerichteten Ohren. Mit ihnen nimmt er alle meine Anweisungen wahr. Ich brauche nicht laut mit ihm zu reden. Das Knarren des Schlittens, die kratzenden Geräusche der Kufen im Schnee und das Hecheln der übrigen Hunde halten sich im Hintergrund. Erst sehr stürmisches Wetter kann unsere Kommunikation beeinträchtigen, wenn auch mein Brüllen gegen den Sturm kaum die acht Meter zu ihm nach vorne dringen kann.

Die wenig domestizierten Schlittenhunde schätzen die Disziplin nicht besonders. Ihre Instinkte können sie nur schwer unter Kontrolle halten, sie sind übermächtig. Nicht so bei Bigge. Er ist die Verkörperung der Disziplin. Er als Leader weiß, was ich von ihm verlange. Seine Aufmerksamkeit wird höchstens kurzfristig durch eine querende Rentierspur abgelenkt. Dann senkt er kurz den Kopf und spurtet geradeaus los. Denn nun gilt es, die hinter ihm laufenden Hunde von dieser Spur fortzuziehen. Diese saugen sich förmlich an der Spur fest, und gerade die jüngeren Hunde versuchen, dem Geruch zu folgen. Das gilt es zu verhindern. Selbst wenn ich die disziplinierten Hunde nun mit ein paar anfeuernden Rufen unterstütze, so ist Bigge mir an Reaktionsschnelligkeit weit überlegen.

Höchst selten gibt es Probleme zwischen uns. Seitdem er am Anfang dieses Jahres durch das Eis eines Flusses gebrochen ist, scheut er Wasser und alles, was danach aussieht. So auch heute. Der Fluß Kaitumälven hat ein wenig Wasser über das alte und mächtige Flußeis gespült. Es bilden sich spiegelglatte, nasse Flächen, vor denen Bigge einen riesigen Respekt hat. Einer dieser nassen Flächen kann ich nicht ausweichen, wir müssen sie überqueren. Da reicht mein Befehl "venstre", also links, alleine nicht mehr aus. Er läuft einfach geradeaus weiter. Ich halte den Schlitten nun mittels der Bremse an. Rufe wieder: "venstre"! Jetzt weiß er, daß ich mich nicht auf einen Kompromiß einlassen werde. Ist eine solche Fläche für ihn überschaubar, so würde er sehr vorsichtig und zögernd meiner Anweisung folgen. Nun aber erstreckt sich das blanke Eis so weit das Auge reicht. Bigge guckt nach links und fängt zu heulen an. Ein klagender Laut, der seine innere Zerrissenheit widerspiegelt. Ein Ausdruck des Leidens. Ich wiederhole: "venstre"! Doch auch jetzt habe ich keinen Erfolg. Ich ankere, lege den noch immer 200 Kilogramm schweren Schlitten auf den Anker, um sicherzugehen, daß die Hunde ihn nicht plötzlich aus dem Schnee reißen. Jetzt weiß Bigge, daß es nur einen Weg geben wird: den über das Eis. Doch er kann einfach nicht gegen seine Angst ankämpfen. Zu tief liegt bei den Huskies die Ehrfurcht vor dem Wasser. Er weiß, daß ein nasser Pelz bei -30 Grad tödlich sein kann. Dieses Wissen der Eskimohunde ist Voraussetzung für das Überleben in der Arktis.

Ich gehe nach vorn, mache ein paar Schritte auf das nasse Eis und stelle Bigge in die Richtung, in die es weiter gehen soll. Doch schon auf meinem Rückweg zum Schlitten dreht er in die alte Fahrtrichtung zurück. Wieder gehe ich nach vorn auf das Eis, als ob ich ihm beweisen möchte, daß es mehr als sicher ist. Wieder schiebe ich Bigge in die anvisierte Richtung, die er aber, kaum daß ich den Schlitten erreicht habe, wieder verläßt. Das sind Situationen, in denen es gilt, Ruhe zu bewahren. Wir alle sind von ihm abhängig. Ohne ihn und seine Fähigkeiten als Leithund werden wir die letzten 500 Kilometer kaum bewältigen können. Legt er sich quer, müssen wir andere Hunde vorne einsetzen, die ihm nicht im entferntesten das Wasser reichen können.

Uli, die hinter mir gefahren ist, macht schließlich diesem Spiel ein Ende. Auch sie ankert ihren Schlitten am Flußrand, geht nach vorn und nimmt Bigge am Halsband, während ich den Schlitten aufrichte und den Anker löse. Die ersten Schritte der beiden auf dem Eis entscheiden alles. Versucht Bigge sich loszureißen, wird Uli ihn bei ihrem unsicheren Stand auf dem spiegelglatten Eis nicht halten können. Weigert Bigge sich aber und einer der hinter ihm laufenden Hunde übernimmt die Führung, so wird Bigge einfach auf dem Eis hinterhergeschleift und das Gespann rast unlenkbar dahin.

Doch Bigge hat Vertrauen zu Uli. Beide eiern die ersten Meter auf dem Eis entlang. Doch dann wird das Gespann für Uli zu schnell. Sie muß Bigge loslassen. Der läuft unsicheren Schrittes weiter in die vorgegebene Richtung. Aufatmen! Mit meinem gesamten Körpergewicht stehe ich wirkungslos auf der Bremse. Die Stahlzinken hinterlassen lediglich weiße Streifen auf dem Eis und verhindern ein wenig das Schleudern des Schlittens. Aber immerhin geben die Streifen Orientierungspunkte für die nachfolgenden Schlitten ab. Wir werden enorm schnell. Mit vielleicht 30 Stundenkilometern schlittern wir über Eis, das ich nicht kenne. Wir müssen uns am richtigen Ufer halten und nicht an riskanten Stellen zu weit in die Mitte und damit auf unsicheres Eis gelangen. Auch überall dort, wo andere Bäche einmünden oder dort, wo sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers in einer Flußkurve erhöht, wird das Eis dünner. Ich versuche vorsichtig die Lenkung des Schlittens zu übernehmen. So ruhig wie möglich gebe ich den Befehl "höyre", also rechts. Bigge reagiert wie immer auf einer freien Fläche: Mit vielleicht 5 Grad läuft er eine leichte Rechtskurve. Aufatmen! Es ist geschafft! Auch wenn sich am Eis nichts geändert hat, so ist mein Leithund wieder voll ansprechbar. Er hat seine alte Selbstsicherheit zurückgewonnen und wird jetzt alles machen, was ich von ihm verlange. Zumindest, bis zur nächsten Eisfläche.

Nach uns folgen jeweils mit einigen hundert Metern Abstand die übrigen fünf Gespanne.

Ulrike hinter mir steuert ihre sieben Hunde in gewohnter Selbstsicherheit. Ihre Aufgabe ist es, mir und meinem Gespann in schwierigen Situationen beizustehen und in tiefem Schnee vorzuspuren. Gelegenheit dafür gibt es genug, wenn wir uns durch dichten Wald und unübersehbares Gelände wühlen und im Gestrüpp festsitzen. Dann befestigt sie ihre Schneeschuhe, geht nach vorn, zieht meine vorderen Hunde einige Meter nach hinten und weist Bigge die richtige Lücke zwischen den Bäumen. Manchmal versinkt sie dabei bis zum Gesäß in dem losen Schnee, verhakt sich mit den überdimensionalen Schuhen in irgendwelchen Ästen und wird zu allem Überfluß noch von den vier oder sechs Hunden über sich aus dem vorderen Teil des Gespanns stürmisch begrüßt. Eigentlich erst dann ist sie in ihrem richtigen Element.

Dahinter pflügt sich Gabi mit ihren sechs Hunden durch den Schnee. Gabi ist die Sportlichste von uns, momentan aber durch ihren nicht ganz ausgeheilten Bruch eines Mittelhandknochens ein wenig behindert. Ihre Schweizer Kollegin Susanna fährt auf dem vierten Platz unserer Kolonne das unkomplizierteste und solideste Gespann meiner Huskyfarm. Sie kümmert sich auf der Tour in erster Linie um die Verpflegung der Zweibeiner. An vorletzter Stelle kommt Ernst aus München. Ernst schreibt das Expeditionstagebuch und verwaltet das Wetter. Das Schlußlicht bildet Wilfried aus Lüneburg. Die medizinische Versorgung der Gruppe ist seine Aufgabe, die er öfters als geplant wahrnehmen muß. Wilfried hat vorne in seinem Gespann Lex, unseren Ersatzleithund, den er wie seinen Augapfel hütet.

Im Land der Samen

Vor zwölf Tagen sind wir von meinem Hof aus gestartet. Er liegt im nordnorwegischen Gebirge, etwa 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Schon am zweiten Tag überquerten wir die schwedisch/norwegische Grenze und folgten in südlicher Richtung oftmals den Trails der Samen (Lappen), die hier im Winter ihre Rentierherden hüten.

Die Landschaft hat sich auf eine mittelgebirgige reduziert. Sanfte, mit kleinen, krüppligen Birken bewachsene Hügel geben das Grundmuster ab. Nur selten stößt eine höhere Erhebung über die Baumgrenze, einem unrasierten Glatzkopf gleich. Öfters fahren wir an kleinen Samensiedlungen vorbei, die jetzt leer stehen und nur im Frühling und Herbst bewohnt werden, wenn die großen Rentierherden von der Winter- zur Sommerweide ziehen und umgekehrt. Neben den alten Torfhütten stehen modernere aus Holz, Zeugen eines Generationswechsels. Ein Wechsel, der durch das Aufkommen des Motorschlittens in den 60´er Jahren eingeleitet wurde und eine radikale Umstrukturierung der traditionellen Rentierhaltung bewirkte. Die Nomaden des Nordens sind heute im wesentlichen seßhaft.

In vergangenen Zeiten war die Fortbewegung in der Tundra mühsam und nur mir Muskelkraft zu bewältigen. Kontinuierlich hütete man die Herde. Sie durfte sich nicht in alle Winde zerstreuen und mußte vor den Raubtieren und besonders den umherstreifenden Wolfsrudeln geschützt werden. So begleiteten die Samen ihre Tiere im Frühling über die norwegisch/schwedische Wasserscheide zu den Fjorden der Nordmeerküste. Hier zogen die Rentiere ihre Kälber auf und legten sich ein dickes Fettpolster für den Winter an. Mit der tiefer sinkenden Sonne im Herbst machten sich die Herden wieder über das Gebirge in die tiefen schwedischen Wälder auf. Dort waren sie vor den schweren winterlichen Stürmen geschützt. Die Samen folgten ihrer Herde. Kleinere Siedlungen entstanden immer dort, wo sich die Herde längere Zeit aufhielt, also in den geschützten Tälern, die die Tiere zum Kalben bevorzugen, an den Sommerweideplätzen und in den Wäldern im Inland.

Der Motorschlitten veränderte diese Lebensweise nachhaltig. Weite Strecken bildeten nun keine unüberbrückbaren Hindernisse mehr. Die Herden wurden größer, denn sie waren jetzt einfacher zu hüten. Der Wolf und andere Raubtiere hatten bei der Jagd vom Motorschlitten aus keine Chance. Der Wolfsbestand in Nordskandinavien konnte sich bei diesen Jagdmethoden nicht mehr reproduzieren und ist heute fast ausgerottet. Eine Gefahr für die Rentierherden sind die Raubtiere kaum noch.

Auch das brachte mit sich, daß das Nomadenleben fast zum Erliegen kam. Heute leben die Familien ständig an den Winterweiden und ziehen nur noch für kurze Zeit zu den traditionellen Plätzen wie der Sommerweide. Die Männer müssen nun eben einen längeren Arbeitsweg von manchmal mehreren hundert Kilometern zurücklegen.

Trotz der dramatischen Veränderung ihrer Lebensweise assimilierten sich die Samen nicht in die Nationalstaaten des Nordens. Sie sind ein eigenes Volk, mit eigener Sprache und Kultur und ungeheurem Wissen über die arktische Natur.

Auf dem Kungsleden

Die Sonne scheint fast jeden Tag, doch vermag sie noch nicht nachhaltig zu wärmen. Selten klettert das Thermometer über -10°. Die gute Sicht bei diesem Wetter läßt oftmals den Blick auf das Gebirge im Westen zu, durch das wir uns auf dem Rückweg bewegen werden. Hoch türmen sich die weißen Gipfel in das Blau des Himmels. Im Osten dagegen flacht die Landschaft in die endlos bewaldete Ebene der nordschwedischen Taiga aus.

Wir befinden uns auf dem legendären Wanderweg Kungsleden, der sich über hunderte von Kilometern durch das Grenzgebirge zwischen Norwegen und Schweden schlängelt. Für die Übernachtungen haben wir das Zelt längst gegen die einfachen Hütten des schwedischen Wandervereins ausgetauscht. Wir genießen den Platz und die gemütliche Wärme der gußeisernen Öfen in diesen Hütten. Hier können wir die feuchte Wäsche trocknen und unsere Ausrüstung überholen.

Mit dem Näherrücken des Sareks, diesem sagenumwobenen, in keiner Weise erschlossenen Nationalpark wächst meine innere Spannung. Wie werden wir und die Hunde die Durchquerung meistern? Sind wir dem Gelände und den Schneeverhältnissen gewachsen? Und werden die Schlitten und das übrige Material den Ansprüchen gerecht?. Doch soweit ist es noch nicht. Bis zu unserem Einstiegspunkt in den Park, dem breiten Rapadalen (dal = Tal) ist noch eine Abfahrt zu nehmen, die es, nach den Höhenlinien auf der Karte zu urteilen, in sich hat. Und so ist es dann auch. Obwohl wir Ketten um die Kufen gelegt haben und mit unserem ganzen Körpergewicht auf der Bremse stehen, um die Fahrt zu verlangsamen, erreichen wir ein höllisches Tempo. Rasch rasen wir bei der Baumgrenze an den ersten Birken vorbei, und ebenso rasch kurven wir um die immer dicker werdenden Stämme der Nadelbäume. Das Ganze steuert unumgänglich in einen unkontrollierbaren Zustand hinein.

Anhalten kann ich meinen Schlitten nicht mehr. Alle meine Kraft liegt auf der Bremse, die knapp verhindern kann, daß ich die schnell galoppierenden Hunde nicht überfahre. Mit Mühe und Not versuche ich mit meinem Körpergewicht zu lenken. Hoch spritzt der Schnee von den Bremsketten und den Stahlzinken der Bremse. Dann kracht es nur noch. Abrupt wird die rasende Abfahrt gestoppt. Vehement knalle ich mit der Hüfte gegen den Haltegriff und sehe gerade noch, wie sich meine gesamte 250 Kilogramm schwere Ladung mit etwa 50 Stundenkilometern vom Schlitten reißt. Mit einem Blick nach unten auf meine Bremse stelle ich fest, daß sie gegen einen abgesägten Baumstumpf geknallt ist und damit den Schlitten zum Stehen gebracht hat. Leicht benommen haste ich nach oben, um den nachfolgenden Schlitten beim Abbremsen zu helfen und damit zu verhindern, daß sie in meinen Schlitten rasen. Jetzt zeigt sich, wie gut wir inzwischen eingespielt sind, und daß schon eine Menge Erfahrung gesammelt worden ist. Ohne daß ich viel sagen muß, erahnt jeder, warum ich ihm entgegenlaufe. Jeder bietet alle Kraft auf, um die Schlittengeschwindigkeit zu verringern und wirft mir dabei den Anker zu, der nun auch noch als zusätzliche Bremse dient. Zum Glück wurde zu Beginn der Abfahrt auf genügend Abstand geachtet, so daß wir jetzt Zeit haben, jeden Schlitten zum Stehen zu bringen.

Wieder an meinem Schlitten stelle ich fest, daß die Bremse nur leicht verbogen ist und einige Hölzer unter der Last abgerissen sind. Auch sind nur die Befestigungsriemen des Schlittensackes gerissen, der Sack selbst ist in Ordnung. Keine tragenden Teile des Schlittens wurden beschädigt. Wie das bei dieser Aufprallwucht möglich sein kann, ist mir ein Rätsel.

An der gleichen Stelle splittern bei Ernsts Schlitten einige Verstrebungen, als sich ein Ast im Schlitten verfängt. Von diesem Tag an sprechen wir nicht mehr vom Schlittenfahren, sondern vom Shreddern.

Unten im Tal bei der Hütte in Aktse angekommen werden zunächst die Hunde, wie jeden Abend, ausgeschirrt. Dazu wird ein Stahlseil zwischen zwei Bäume gespannt, von dem mehrere Ketten abzweigen. An jeder Kette wird ein Hund befestigt. Hier können sie für den nächsten Tag ausruhen. Bei dieser Arbeit wandert mein Blick immer wieder zu den steil in den nächtlichen Himmel ragenden Bergen des Nationalparks. Auch als ich mich im Schlafsack auf die Hüttenveranda zum Schlafen lege, kann ich die Augen nicht von ihnen lassen. Ich habe kein gutes Gefühl. Ich weiß nicht, was auf uns zukommt. Im dem 2000 Quadratkilometer großen Park gibt es weder Wanderwege noch Schutzhütten, noch sonst irgendeine Infrastruktur. Für die Ost-West Durchquerung habe ich vier Tage gerechnet. Wird das reichen? Und was erwartet uns auf der anderen Seite im Padjelanta Nationalpark? Wie werden dort die Schneeverhältnisse sein und wie werden wir dort weiterkommen? Ich bin recht unruhig und finde keinen Schlaf. In den letzten Jahren habe ich mich überwiegend in dem Gebiet aufgehalten, welches ich schon seit über zwölf Jahren durchstöbert habe. Das eine oder andere Tal ist auch heute noch Neuland für mich, aber in den letzten Jahren war ich nicht mehr auf einer so langen Strecke und so vielen aufeinanderfolgenden Etappen in derart anspruchsvollem Gelände unterwegs. Auch wenn ich jedes Jahr über 3000 Kilometer auf den Kufen stehe, so macht mich dies nicht sicherer. Ganz im Gegenteil! Jetzt weiß ich, was alles passieren kann und wie wenig manchmal eine heikle Situation von einer gefährlichen trennt.

Auch habe ich noch nie von einer Durchquerung des Sareks mit einem Hundeschlitten gehört. Ist das überhaupt möglich? Was ist, wenn uns am 4. Tag ein unüberwindbares Hindernis in Form eines zehn Meter hohen Abbruchs den Weg versperrt? Der mag ja zu Fuß überwindbar sein, aber kaum mit einem Hundeschlitten. Wie steht es mit der Lawinengefahr? Wie sind die Eisverhältnisse auf den unzähligen Gebirgsbächen? Keinen, den ich hätte fragen können. Könnte ich jetzt selbständig eine Entscheidung treffen, ich glaube, ich würde lieber den Umweg über Kvikkjokk machen und somit den Sarek umgehen. Diese Option haben wir uns offengehalten, wenn das Wetter oder die Schneeverhältnisse eine Durchquerung unmöglich scheinen lassen. Doch von schlechtem Wetter und großem Schneefall fehlt jede Spur.

Im Sarek

Das Tal Rapadalen mit seinen unzähligen Flußarmen verjüngst sich rasch. Immer dichter rücken die Berge an uns heran, immer unübersichtlicher wird das verbuschte Gelände mit den Abbrüchen der Uferböschungen, den riesigen Felsbrocken am Fuße der steil in den blauen Himmel ragenden Wände, den eng stehenden Birken und den nicht immer überfrorenen Flußschnellen. Doch wir kommen gut voran, viel besser, als ich es mir habe erträumen lassen. Der Schnee ist hart gepreßt und bietet den Hundepfoten einen guten Halt. Überhaupt scheint es den Hunden hier gut zu gefallen. Es gibt kein monotones Kilometermachen, sondern Überraschungen und Interessantes am laufenden Band. Immer wieder fliegen Schneehühner mit ihrem typischen abgehakten Gegacker aus dem Gestrüpp auf, kreuzen wir unzählige Schneehasen- und Fuchsspuren. Pausen gibt es heute genug. In dem unübersichtlichen Gelände müssen wir uns immer wieder sammeln, denn schnell entstehen zwischen den Gespannen riesige Lücken.

Die extrem schwere Last auf den Schlitten erschwert die Lenkung empfindlich, und die sollte in diesem Gelände das Niveau einer zumindest Zentimeter genauen Feinarbeit erreichen. Zu dicht wachsen die Birken und Büsche, versperren Gesteinsbrocken den Weg und verlangen die steilen Ufer der Bach- und Flußläufe den vollen Einsatz jedes Schlittenfahrers. Dennoch kommt es zu unvermeidbarem Geschredder mit nachfolgender Reparatur. Besonders empfindlich erweisen sich die bereits reparierten Schlitten, denn auch die solideste Schiene schwächt die Konstruktion. Es gibt eben keine überflüssigen Teile beim Schlitten. Jede Leiste, jede Verstrebung hat Bedeutung und unmittelbaren Einfluß auf die gesamte Stabilität. Ist die erst einmal nachhaltig beeinträchtigt, wird der Schlitten für weitere Crashs recht anfällig.

Die Hunde erholen sich bei unseren Stops immer wieder erstaunlich rasch. Es dauert meist nur zehn Minuten, bis es dem ersten wieder zu langweilig wird, er sich in das Geschirr wirft und durch sein schrilles Jaulen die Pause aufheben möchte. Das wirkt ansteckend bei einer maximal fünf Sekunden langen Inkubationszeit. Greife ich mit meiner lauten Stimme nicht unmittelbar ein und ermahne die Hunde zur Ruhe, wird der Krach unerträglich. Nicht wir bestimmen den Zeitpunkt und die Länge der Pause - die Hunde sind es!

Nach 20 Kilometern weitet sich das Tal. Doch die Berge werden deswegen nicht weniger steil. Majestätisch und unnahbar ragen die kaum schneebedeckten Schroffen mehr als 1000 Meter über uns in den blauen Abendhimmel. Die letzten beiden Eiszeiten konnten die Wildheit dieser Landschaft nicht aufheben. Die Gipfel ragten damals wie Nunataks aus dem Eis. Deutlich sind die Schleifspuren der Gletscher an den Felswänden auszumachen. Es sieht so aus, als ob diese Gegend die Eiszeiten noch nicht ganz vergessen hat. Wie einen Gruß aus diesen Zeiten entdecken wir ab und zu einen der 100 Gletscher hoch oben zwischen den Bergflanken.

Das Zelt hier in dieser urzeitlichen Landschaft aufzustellen, erzeugt Gefühle des Kleinseins und der eigenen Bedeutungslosigkeit. Doch das Unbehagen beim Anblick dieser Bergkulisse des vergangenen Abends ist einer stillen Bewunderung gewichen. Jetzt, da die Baumgrenze nur noch ein paar Stunden entfernt, also fast greifbar ist, wächst das Selbstbewußtsein. Vorbei ist die Plackerei durch die Unübersichtlichkeit des dichtbewachsenen Talausgangs. Doch wie eng und passierbar erweist sich unser Tal, durch das wir den Padjelanta Nationalpark erreichen wollen? Es wird eng! So eng, daß wir lawinengefährliche Hänge nicht in gebührlichem Abstand passieren können. Und daß es hier verheerende Schneerutsche gibt, wird uns deutlich, als wir die Reste einer noch nicht einmal zwei Wochen alten Lawine überqueren. Obwohl wir sicher in einem sehr schneearmen Winter unterwegs sind, hätten wir unter diesen Schneemasssen unser Ende gefunden. Wir kommen jedoch ohne Probleme gut voran und sind Dank der hervorragenden Wetter- und Schneeverhältnisse doppelt so schnell durch den Park hindurch wie geplant.

Stürze ohne Ende

Nach 45 Kilometern erreichen wir die Berghütte Tuottar, die schon ein gutes Stück im Padjelanta Nationalpark liegt. Die Hunde und auch wir sind von dem langen Tag geschafft. Kaum einer der Vierbeiner hebt auch nur eine Pfote, als wir ihnen die Zuggeschirre ausziehen. Doch der Grund dazu liegt sicher nicht nur an der langen Etappe. Das Vertrauen in ihren Musher und ihr Zusammenspiel hat sich während der vergangenen 18 Tage gut entwickelt. Die Hunde wissen, wie sie die meisten Kraul- und Schmuseeinheiten erhalten. Stellen sie sich beim Ausschirren halb tot, so verdreifacht sich leicht die Zeit, die man für das Ausschirren benötigt. Der Hund wird von einer Seite auf die andere gedreht, jede Pfote umständlich durch die dafür vorgesehene Öffnung geschoben und schließlich der Kopf angehoben und von dem gepolsterten Geschirr befreit. Bei dieser aufwendigen Bearbeitung des Pelzes werden meist die Augen halb geschlossen und das Gesicht nimmt einen Ausdruck größten Genusses an. Schade, daß Hunde nicht schnurren können!

Während die Hunde zusammengerollt bereits in den Tiefschlaf gesunken sind, stellt sich bei uns in der Hütte eine ausgelassene Stimmung ein. Die Freude über die unerwartet problemlose Durchquerung des Parks und die eindrückliche Schönheit der Gebirgslandschaft sorgen für ein ausgeprägtes Hoch im Stimmungsbarometer. Schon werden neue und ausschweifende Pläne zum weiteren Verlauf der Tour zur Diskussion gestellt.

Ursprünglich sollte uns der Padjelanta Nationalpark mit seinem sehr ausladenden und weiten Gebirgsmassiv als Rückweg in den Norden dienen. Jetzt aber sind die Ambitionen viel höher. Wir wollen dem Park einen weit ausholenden westlichen Schlenker gönnen, dann aber in einem riesigen Zickzack alle Haupttäler des Sarek nach Norden durchqueren. So hätten wir in einem mehrere hundert Kilometer langen Umweg die wohl wichtigsten Täler vom Sarek gesehen. Und vor allem die riesigen Gletscher, die sich nach Norden zum Stora Sjöfallet Nationalpark erstrecken, reizen uns gewaltig.

Voller Optimismus setzt sich unsere Karawane nach einem wohlverdienten Ruhetag wieder in Bewegung. Zügig erreichen wir den westlichsten Punkt unseres Schlenkers und suchen nun eine fahrbare Passage in nordöstlicher Richtung. Eine mit Felsbrocken übersäte Landschaft empfängt uns. Ständig müssen wir in langen Umwegen diese steinigen Hindernisse umfahren. Immer öfters geraten wir dabei an steil abfallende Abbrüche, die es in sich haben. Die geringe Schneemenge und deren harte Konsistenz ermöglichen es uns kaum, die Schlittenfahrt mittels der Bremse nachhaltig zu verringern. Gehen wir diese vielleicht um die zehn Meter tiefen Abgründe nicht direkt an, sondern geraten dabei in eine leichte Schrägfahrt, so rutscht der Schlitten in rasender Fahrt seitlich ab. Die wird dann abrupt durch eine Schneeverwehung oder einfach nur durch lockeren Schnee gebremst. Diese Wucht mit dem Körpergewicht abzufangen, gelingt nicht immer. Ständig überschlage ich mich samt Schlitten oder werde von ihm herunter geschleudert. Uli, die hinter mir fährt und immer oben an dem jeweiligen Abbruch hält, sieht oft von mir zunächst nicht viel mehr, als die schwarzen Sohlen meiner durch die Luft fliegenden Stiefel. "Den Tag der in der Luft fliegenden Sorels" (meine Stiefel) nennt sie später diesen Tag.

Es wäre ja alles nicht so schwierig, wenn mein Leithund Bigge immer genau das machen würde, was ich sage. Das vor uns ein solcher Abhang liegt, merke ich selbst oft erst sehr spät. Das diffuse Licht heute macht Konturen im Schnee praktisch unsichtbar. Alles ist mehr oder weniger grau in grau. Nur die schwarzen Steine heben sich deutlich vom Schnee ab. Läuft Bigge plötzlich in 90 Grad zu unserer Fahrtrichtung, so weiß ich, daß sich vor uns wieder so ein Abgrund auftut. Ich setzte den Anker, lege den Schlitten auf ihn und gehe nach vorn. Gibt es hier keinen Überhang oder Felsbrocken in der Schräge, dann steht der direkten Abfahrt nichts im Wege. Doch Bigge zögert ein paar Schritte und stürzt sich erst hinunter, wenn er sicher ist, daß ich hier nicht mit mir handeln lasse. Diese paar Schritte sorgen dann dafür, daß der Schlitten nicht mehr die ideale Abfahrtslinie nimmt. Ich stehe mit beiden Füßen auf der Bremse und lehne mich mit dem gesamten Körper weit zum Berg hinaus. Dabei muß der Hintern und somit der Schwerpunkt so tief wie möglich liegen. Dann heißt es nur noch hoffen. Hoffen, daß der Schlitten nicht weiter abrutscht, sondern brav den Hunden folgt und der Schnee von gleichmäßiger Beschaffenheit den ganzen Abhang hinweg ist. Diese Hoffnung erweist sich mehrheitlich als unbegründet. Der unvermeidliche, alles aus den Angeln hebende Schlag trifft so sicher ein, wie der Winter nach dem Herbst. Jetzt gibt es nur eins: am Schlitten festhalten! Denn erstens ist die Chance höher, mit dem eigenen Körpergewicht den Schlitten beim Sturz umzuwerfen, als nur von ihm herunter geschleudert zu werden. Der liegende Schlitten bremst sich dann selbst ab. Zweitens verlangsamt eine nachschleifende Person zusätzlich die Schlittenfahrt. Doch das ist manchmal leichter gesagt als getan.

Unten angekommen halten die Hunde an und sehen sich geschlossen um: Haben wir ihn abgeworfen oder konnte er sich diesmal festhalten? Nicht der leiseste Ausdruck von Mitgefühl ist in ihren Gesichtern zu erkennen. Lediglich das Registrieren des scheinbar Unvermeidlichen spiegelt sich in ihren Augen wider, so als ob sie sagen wollten: Mit vier Beinen wäre das nicht passiert!

Ich höre auf, die Stürze zu zählen, bemerke nur, daß Wilfried der einzige von uns ist, der das alles wirklich souverän meistert. Nicht einmal sehe ich ihn stürzen. Wilfried ist mit Abstand derjenige, der am wenigsten Schlittenkilometer hinter sich hat! So ungerecht kann die Welt sein!

Schon längst habe ich den Versuch aufgegeben, weiter nach Osten und somit in Richtung Sarek zu gelangen. Ich habe eine Hütte weiter nördlich als Etappenziel im Visier. Es gilt eigentlich nicht mehr, in eine bestimmte Richtung vorwärts zu gelangen, sondern nur einfach mit heiler Haut und Schlitten hier raus zu kommen. Und endlich sehe ich unter uns den zugefrorenen See, an dem die Hütte liegen muß. Noch ein paar steile Abfahrten in dieser mit Terrassen überzogenen Landschaft, und wir haben das ebene Eis des Sees erreicht. Nur Gabi und ich stürzen noch einmal kurz vor dem See, und dann hat es damit vorläufig ein Ende. Nach knappen zwei Kilometern ist endlich die Hütte erreicht.

Doch was macht Gabi? Ihr krummer, nach vorne gebeugter Rücken läßt nichts Gutes vermuten. Bei dem allerletzten Sturz fiel sie auf die rechte Schulter und hat dort nun riesige Schmerzen. Sie kann zwar den Arm eingeschränkt bewegen. Schwellungen sind auch nicht auszumachen. Wenn die Schulter also nicht gebrochen ist, was ist es dann? Wir sind alle keine Ärzte. Wilfried waltet nach bestem Wissen und Gewissen seines Amtes als Sanitäter. Er strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Ich möchte wissen, ob die echt ist, oder ob ihm Ähnliches wie mir durch den Kopf geht. Wir sind ca. drei Tagesetappen von der nächsten Siedlung entfernt. Sollen wir dorthin fahren und einen Arzt aufsuchen? Hält Gabi die Schmerzen solange überhaupt aus? Ist es nicht besser, sofort einen Hubschrauber zu ordern? Oder ist das nicht eine völlig übertriebene Maßnahme, wenn sich herausstellt, daß die Schulter nur geprellt ist? Nach einigem Hin und Her beschließen wir einfach abzuwarten. Zum Glück haben wir Zeit genug, wenn wir den ausladenden Plan der nochmaligen Durchquerung des Sarek streichen und uns auf dem kürzesten und sichersten Weg gen Norden machen. Gabi liegt wie ein Häufchen Elend in der Koje. Sie war so froh, sich nach dem Ausheilen des Mittelhandknochens endlich wieder so bewegen zu können, wie sie es gewohnt ist. Gabi ist eine sehr aktive Handballspielerin. Es ist einfach nicht ihr Ding, auch nur in der zweiten Reihe zu stehen. Für die Rolle des Bremsklotzes ist sie überhaupt nicht geschaffen.

Der Arzt

Die Landschaft ist mit einer frischen Neuschneedecke überzogen, als wir weiter nach Norden fahren. Gabis Schulter hat sich leicht gebessert. Die Schmerzen haben ein wenig nachgelassen, und beim Arm ist es wieder möglich, von einem Bewegungsradius zu sprechen. Tapfer steht sie auf ihrem Schlitten, von Ernst und Uli umrahmt. Die beiden sollen Gabi zu Seite stehen, wann immer es nötig ist.

Jede Bodenwelle und auch nur die leichteste Schräglage des Schlittens läßt mich an unsere Verletzte denken. Wir machen kilometerlange Umwege, um schwierigem Gelände aus dem Weg zu gehen. Und Gabi hält sich erstaunlich gut. Ihre Zähigkeit ist bewundernswert.

Jeder Tag bringt nun eine ganz leichte Verbesserung der Schulter mit sich. Problemlos erreichen wir am See Akkajaure eine Straße und damit die Zivilisation in Form einer bewirtschafteten Hütte bei Ritjemåkk. Hier erhalten wir die Möglichkeit eines Arztbesuches. Dankbar nehmen wir das Angebot an. Der Arzt selbst ist dann die eigentliche Sensation. In rentierlederne Kleidung gehüllt, mit mehreren Messern am Gürtel, begrüßt er Gabi freundlich. Er sieht aus wie der Botschafter seines Volkes, der Samen. Nichts an ihm gibt einen Hinweis auf seinen Beruf. Lediglich eine sehr unmoderne Brille läßt darauf schließen, daß er irgendwann schon einmal Kontakt zur Zivilisation gehabt haben muß. Routiniert und zielsicher untersucht er Gabi und kommt schnell zu dem Schluß, daß ein Bruch nicht vorliegen kann. Ob die Schulter aber angebrochen oder angerissen ist, kann nur mit einer Röntgenaufnahme sicher diagnostiziert werden. Bei einem positiven Ergebnis würden dann allerdings auch nicht mehr unternommen werden, als das Fixieren mittels eines Verbands. Also genau das, was wir ohnehin schon unternommen haben. Er hat nichts gegen die weitere Teilnahme von Gabi an der Tour einzuwenden. Sie muß nur einfach höllisch auf ihre Schulter achten und darf sie keiner hohen Belastung aussetzen.

So setzen wir unsere Tour weiter fort. Die Unternehmungslust hat einen kleinen Dämpfer erhalten. Wir wählen nun die einfachsten Etappen für die verbleibenden 300 Kilometer zurück zu meinem Hof in Norwegen. Wir ziehen in einem Unwetter an Schwedens höchstem Berg vorbei, überqueren den endlosen See Torneträsk, um dann wieder in das norwegisch/schwedische Grenzgebirge aufzusteigen. Die letzten Übernachtungen werden in traditioneller Umgebung verbracht. Von einer Torfhütte können wir zurück in das Gebirge des Abisko Nationalparks und das berühmte Lappentor schauen.

Das Ende der Tour feiern wir im traditionellen Lavvo, einer Kote. Baumstämme bilden einen Kreis und stützen sich an der oberen Spitze gegenseitig. Hier oben ist auch der Rauchaustritt oder - wie in unserer etwas moderneren Ausführung - der Schornstein. Eine Schicht Reisig mit einem Rentierfell obenauf dient als Sofa und Bett. Im Zentrum liegt die Feuerstelle in Form eines Ofens, der für saunaähnliche Verhältnisse sorgt.

Nach 26 Tagen und 800 Kilometern freuen wir uns wieder auf eine Dusche, ein Bett und die anderen Annehmlichkeiten der Zivilisation.

Offensichtlich spüren die Hunde nun auch, daß die Tour ein Ende hat. Doch sie hat diese Expedition scheinbar am wenigsten mitgenommen. Wie am ersten Tag legen sie sich in die Geschirre und ziehen, was das Zeug hergibt.

Nach ein paar Kilometern vom Lavvo entfernt gibt es eine Abzweigung, bei der sich zwei Richtungen diametral gegenüber stehen. Biegen wir in einem 90° Winkel nach rechts, so beginnt eine Tour gerade erst, denn hier geht es weiter in die Berge oder in die Richtung der Wälder Nordschwedens. Biegen wir hingegen in einem rechten Winkel nach links, so sind wir in vielleicht zwei oder drei Stunden zu hause. An diesem Punkt spätestens wird mir klar, in welchem Zustand die Hunde sind. Hatten wir eine sehr anstrengende Tour, und haben die Hunde das dringende Bedürfnis nach Ruhe und Erholung, so biegt Bigge ohne einen Blick nach hinten direkt nach links ein, in Richtung unseres Hofes. Sind die Hunde dagegen in bester Form, ausgeruht und zu allen Schandtaten bereit, so schaut Bigge sich kurz um und biegt ohne Befehl nach rechts ab. Ist Bigge sich über seine Form und die Anstrengungen der letzten Tage nicht richtig im Klaren, so schaut er sich bereits vor der Abzweigung wiederholt um, als wenn er mich um eine Entscheidung bitten will. Spätestens wenn die dann nötig ist, und es kommt kein Kommentar von mir, wird er sichtlich nervös und wechselt ständig zwischen der rechten und linken Seite des Trails hin und her.

So macht er es heute.

Wer selbst einmal mit Björn Klauer auf Tour gehen will,
erreicht ihn unter Tel. +47-77 18 45 03
oder im Internet unter
www.huskyfarm.de

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