Nordische Mythen

Skandinavische Zusammenarbeit

Von Dag Yngland

Die Deutschen lieben ihre Mythen über uns Menschen aus dem Norden. Wir sind lieb und locker, manchmal etwas scheu, aber fast immer zuverlässig. Und wir haben mehr Gemeinsamkeiten als z.B. ein Berliner und ein Bayer. Doch warum nur machen die Nordländer im Ausland in Wirtschaft und Politik nicht mehr gemeinsam?

In Berlin zum Beispiel, wo die fünf nordischen Länder im gemeinsamen Botschaftskomplex sitzen und fast 40 nordische Korrespondenten über Deutschland berichten, den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner Skandinaviens in Europa.

Immer wieder versucht man, nordische Veranstaltungen zu planen - von Politikerbesuchen bis zum Stammtisch für die nordischen Wahl-Berliner. Wer den klassischen Verlauf einer solchen Initiative kennt, ahnt, dass sie meist zum Scheitern verurteilt ist:


Dag Yngland lebt seit 1992 in Berlin
und arbeitet als Korrespondent für
die norwegische Wirtschaftszeitung
Dagens Næringsliv.

»Lasst uns etwas ganz Neues machen«, sagt der weltoffene und patriotische Norweger, »wir müssen das Licht der Welt auf uns richten. Um ein Vorbild zu sein für den Frieden und die Kinder der Welt.« Und prompt will Schweden eine zentrale Rolle spielen und die Verantwortung übernehmen. »Wir sind eben die Größten«, sagt der Schwede freundlich und etwas selbstgefällig. Haben die Schweden etwa nicht die Marken ABBA und IKEA fast über die ganze Welt gebracht? »Aber als erstes brauchen wir ein Budget«, sagt der kaufmännische Däne. Sein Land ist schließlich auf Zoll- und Handelskontrolle im Öresund gegründet und damit reich geworden. Der Finne hat noch nichts gesagt. Niemand ist richtig sicher, ob er die Debatte ganz verstanden hat oder nur auf den richtigen Moment für finnische Interessen lauert. Alle sind sich einig: Sie möchten etwas für den Norden tun, aber meistens lässt der Krach über Details die Sache platzen.

Nationale Vorurteile sind oft der Grund: »Die Norweger denken kurzfristig und ändern ständig ihre Meinung«, klagen die einen. »Der Schwede ist freundlich, vorsichtig und gründlich - aber sooo langweilig. Und er will immer Recht haben«, denken die anderen. »Aber wir haben ja auch meistens Recht«, klagt der Schwede über seine strittigen Nachbarn. Den Dänen versteht er sowieso nicht. Der Finne interessiert sich wenig für die Norweger und noch weniger für die Dänen. Der eigentliche Gegenspieler des Finnen ist aber immer der Schwede - im Eishockey wie bei den Handys.

Da sind wir auch schon beim Paradebeispiel für gelungene nordische Zusammenarbeit: dem Handyboom. Eine ursprünglich norwegische Idee (sagen die Norweger) für Notfunk am Meer, die von den Schweden finanziert und zum Industrieprodukt gemacht wird. Ein Massenerfolg wird's aber erst, wenn die Finnen die Handys mit elegantem Design ausstatten. Im Idealfall wird das Ganze von einem dänischen Finanzkontrolleur überwacht. Solche Erfolgsstorys sind jedoch selten, denn allzu oft verharren die Nordländer in ihren Vorurteilen - oder ist das nur eines von meinen vielen Vorurteilen?

Termine:

30./31. Oktober

 

»Ostseekonferenz«. Thema: Chancen der Ostseeregion.

Mit Teilnehmern aus u.a. Finnland, Schweden, Dänemark.
Handelskammer Hamburg, Tel. 040-361 38-283

27. November

»Wirtschaftspartner Dänemark«.

Themen: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Dänemark und Nordrhein-Westfalen,
Zukunftsregion Öresund und die dänische Arbeitsmarktpolitik. IHK Düsseldorf.

Infos: Kgl. Dänisches Generalkonsulat, Tel. 0211-82 89 30 18



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