Dänemark Grönland Island

Ausblick und Rückschau – Wie geht es weiter im Norden? – Teil 1

Dänemark, Island, Grönland – Teil 1

Wie auch im letzten Jahr habe ich mich wieder mit einigen Vertretern aus dem Tourismusbereich über das zurückliegende Jahr, aber auch über Erwartungen, Hoffnungen und Trends für 2022 unterhalten. Die Menschen mit denen ich unterhalten habe, wohnen Großteils in den nordischen Ländern und geben uns viele Eindrücke aus erster Hand. In der ersten Folge geht es nach Dänemark, Island und nach Grönland.

DÄNEMARK

Wer wie ich unseren direkten nordischen Nachbarn ab Frühsommer 2021 besucht hat, wird wahrscheinlich gestaunt haben über den mal wieder etwas entspannteren „Gang des Lebens“: Im Sommer waren die Maskenpflicht und alle pandemischen Einschränkungen aufgehoben und man rief sogar einen Freiheitstag aus, um wenige Monate später wieder „zurückzurudern“ und neue Beschränkungen einzuführen. Unser Nachbarland lockt aber sicher auch 2022 bald wieder mit weiten, leeren Stränden, gemütlichen Dörfern, landschaftlicher Vielfalt und aus meiner Perspektive perfekten Infrastruktur für Radtouren jeder Länge!

Hallo Frau Niphut, Danke, es freut mich, dass Sie sich als Repräsentantin von “Visit Fyn” Zeit nehmen für ein paar Fragen: Wie ist das Jahr 2021 insgesamt für Sie und auch den Tourismus in Fünen und in Dänemark gelaufen?
Sehr gerne. Auch wenn wir noch immer nicht die gleiche Anzahl ausländischer Touristen bei uns begrüßen durften wie gewohnt, ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr für Dänemark und unser Fünen insgesamt sehr erfreulich verlaufen.

Diese Entwicklung lässt sich zum einen mit Dänemarks vorbildlichen Handhabung der Pandemie und Ruf als sicheres Reiseziel zu erklären. Aber auch damit, dass ein Großteil der Dänen den Sommerurlaub 2021 im eigenen Land verbracht hat.

Süddänemark im Frühling

Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2022?
Besucher unserer schönen Insel sollen und können sich sicher fühlen. Wir setzen weiterhin auf transparente Information über unsere Website und leicht zugängliche Testmöglichkeiten für Jedermann.

Wir haben eine sehr hohe Impfquote und grundsätzlich werden alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie von den Dänen sehr gut angenommen und greifen schnell. Wir sind zuversichtlich, spätestens ab Frühjahr wieder mehr ausländische Gäste bei uns zu begrüßen.

Ich bin selbst Fahrradtourist und immer wieder begeistert vom dänischen Radwegenetz, haben Sie für unsere Leserinnen und Leser einen Tipp für eine besonders schöne Radtour durch Fünen?
Gerade rund um das Thema Radfahren gibt es in diesem Jahr einige Highlights auf Fünen zu entdecken und erleben. Wir freuen uns hier auf Fünen besonders auf die Einweihung unserer neuen „Herrenhausroute“ im Mai. Dieser neue 665 km lange Radrundwanderweg führt in insgesamt 14 Etappen vorbei an den meisten unserer zahlreichen Schlösser und Herrenhäuser und gleichzeitig rund um die Insel Fünen. Hier ist jede Etappe ein Highlight, aber ich lege Ihnen gern die zwischen Svendborg und Fåborg ans Herz. Hier entdeckt man die ganze wunderbare Abwechslung, die Fünen zu bieten hat: Radeln durch den Wald und am Wasser, sowie ein gemütliches Picknick am hyggeligen kleinen Hafen Fjællebro, machen das Ausflugserlebnis perfekt. Im Juli kommen Radport-Fans auf ihre Kosten, wenn die 2. Etappe der Tour de France Le Grand Départ bei uns in Nyborg ins Ziel geht.

Wenn Sie einen Wunsch freihätten (außer dem, dass sich wieder “normales Leben” einstellt), welcher wäre das?
Generell: Bei allen Diskussionen über die Pandemie und Pros und Kontras der jeweiligen Maßnahmen, übersehen wir leider zu oft, wie gut es uns eigentlich geht und wie sicher wir in Europa sind. Es wäre schön, wenn dies auch in der täglichen Berichterstattung etwas mehr Gewicht bekäme. Naja…und ganz persönlich wäre ich mit dem Aufstieg des FC St. Pauli in die 1. Fußball Bundesliga sehr happy.

Danke für das Interview!

Weitere Information:
lokales Fremdenverkehrsamt: www.visitfyn.de
Nationales Fremdenverkehrsamt, auch mit aktuellen Bestimmungen: www.visitdenmark.de/daenemark


ISLAND

In Island hat der Massentourismus im großen Stil den zweiten Sommer hintereinander eine Pause eingelegt, größere Gruppen waren auch 2021 eher die Ausnahme und von den Zahlen aus dem Jahr 2019 ist man trotz vieler Individualtouristen auch im Sommer 2021 weit entfernt gewesen.

Wie in anderen nordischen Ländern haben die Einheimischen teilweise die Lücken gefüllt, die durch das Fernbleiben der ausländischen Touristen entstanden waren: Besonders Campingplätze und Attraktionen waren im Sommer gut gefüllt mit „Locals“. So manch ein Isländer entdeckte sein Land.

Viele Isländer, die ich während meiner Sommerreisen sprach, darunter auch so manch einer, der/die selbst im Tourismusbereich arbeitet, sagten mir, dass man eigentlich nicht mehr so viele Touristen möchte, wie in vor-pandemischen Zeiten, auch weil es vielerorts zu viele negative Folgen für die empfindliche Natur Islands hat. Vielleicht hat ja die pandemische Denkpause zu der Erkenntnis verholfen, dass „immer mehr“ nicht immer die dauerhafte Lösung sein kann?

Für Island konnte ich gleich zwei Gesprächspartner gewinnen, Herrn Muxfeldt von Symril Line und Sven Strumann, der Inhaber von Kria-Tours und Geschäftsführer von SPS-Ferðir ehf ist und in Island lebt.

Hallo Herr Muxfeldt, Sie sind ja für die Nordis-Leser schon ein alter Bekannter, da freut es mich, dass Sie sich wieder Zeit nehmen für ein paar Fragen: Wie ist das Jahr 2021 insgesamt für die Symril Line gelaufen, der Umbau des Schiffes war ja quasi so etwas Neustart in schwierigen Zeiten?
2021 war in der Tat das erwartet schwierige Jahr. Für den Passagebereich der Smyril Line war es sehr wichtig, dass in den traditionellen Reisemonaten nach Island hinsichtlich der Reisebestimmungen und Restriktionen doch relative Ruhe herrschte und sich viele Gäste für Island und die Färöer interessiert haben. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren kamen Buchungen schon erheblich später, aber sie kamen.

Fähre in Seyðisfjörður

Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2022?
Man kann es mit vorsichtigem Optimismus beschreiben, gepaart mit diversen Fragezeichen. Natürlich ist und bleibt Corona der entscheidende Faktor, die vermutete Tendenz zu leichteren Verläufen zusammen mit hoffentlich steigenden Impfquoten sollte meines Erachtens dazu führen, dass mehr Menschen wieder konkrete Urlaubsplanungen machen und diese dann auch in Buchungen umsetzen. Ob gewollte oder nicht, Corona wird letztlich zur Gewohnheit und zum festen Bestandteil des täglichen Lebens und das schließt das Thema Urlaub mit ein. Kurz gesagt erwarte ich zufriedenstellende Buchungszahlen, die mit Verzögerung zustande kommen.

Haben Sie einen Tipp für die kommende Reisesaison?
Tipps sind im momentanen Umfeld schwierig, ich glaube aber, man sollte mit der eigenen Buchung nicht zu lange warten, da das Buchungsverhalten in diesem Jahr nur schwer zu prognostizieren ist. Island wird auch in 2022 ein gutes Reiseziel werden, denn im Gegensatz zu manchem Jahr im vergangenen Jahrzehnt wird es spürbar weniger außereuropäische Gruppenreisende geben. Das tut der Destination Island nur gut.

Wenn Sie einen Wunsch freihaben würden, welcher wäre das?
Mehr Verantwortungsbewusstsein und weniger Ignoranz würden zu steigenden Impfquoten führen und so das Leben für alle erleichtern. Aber vielleicht sollte man lieber auf eine gute Apfelernte hoffen, das ist wohl realistischer.

Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Herrn Strumann, Inhaber von Kria-Tours und Geschäftsführer von SPS-Ferðir ehf:

Hallo Herr Strumann, wie ist das Jahr 2021 insgesamt für Sie und auch den Tourismus in Island gelaufen?
Die ersten Monate waren sehr ruhig, nur wenige Touristen reisten nach Island. Ab Mai stieg die Zahl der Touristen dann deutlich an und es gab recht viele Last-Minute Buchungen. Allerdings hatten wir das große Problem, dass gerade bei den Mietwagen und den Campingfahrzeugen der Fahrzeugbestand in 2021 erheblich reduziert worden war und die Verleihfirmen nun nicht schnell genug Nachschub bekommen haben, weswegen wir viele Buchungen leider stornieren mussten. Die Zahl der Touristen lag mit 780.000 deutlich höher als in 2021, aber erheblich unter den Zahlen aus 2018 und 2019.

Papageitaucher in Ostisland

Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2022?
Für dieses Jahr rechnen wir mit einer weiteren leichten Steigerung der Besucherzahlen für den Sommer und Herbst. Wir sehen aber gerade bei den Campingfahrzeugen immer noch das Problem der zu geringen Verfügbarkeit. Mehrere Wohnmobilvermieter haben uns mitgeteilt, dass die Hersteller aufgrund von Lieferengpässen bei Bauteilen und der stark gestiegenen Nachfrage nach Campingfahrzeugen die ursprünglich für das Frühjahr zugesagten Lieferungen neuer Wohnmobile auf den Herbst verschoben haben.

Haben Sie einen Tipp für die kommende Reisesaison?
Mein Tipp ist rechtzeitig zu buchen und als Destination empfehle ich Grönland, ein Land das viele bislang noch nicht auf ihrer Liste haben, dass aber faszinierende Landschaften bietet. Als sehens- und erlebniswerten Landesteil empfehle ich die isländischen Westfjorde, die beeindruckende Landschaften, stille Fjorde und im Sommer Vogel Felden voller Leben bieten.

Wenn Sie einen Wunsch freihaben würde, welcher wäre das?
Dass der Bau unserer neuen Nordlichthäuser problemlos verläuft und wir ab dem Sommer die ersten Gäste in den Häusern begrüßen können.

Vielen Dank für das Interview!

Informationen zu Island
Wichtige Infos zur Einreise und Bestimmungen: www.covid.is
Straßenverhältnisse und Öffnungszeiten der Hochlandpisten: www.road.is
Autofähre von Dänemark nach Island und zu den Färöer-Inseln: www.smyrilline.de
Umfangreiches Angebot zu Island und anderen nordischen Destinationen: www.kria-tours.de
www.skandinavien.de/wie-geht-es-weiter-in-2021-ein-rueckblick-und-der-versuch-eines-ausblicks-island


GRÖNLAND

In pandemischen Zeiten gibt es wohl kaum einen isolierteren Platz als die größte Insel der Welt, die im vergangenen Jahr nur von sehr wenigen Touristen besucht werden konnte. Doch die Grönländer selbst, hatten während dieser Zeit kaum Einschränkungen und konnten innerhalb des Landes ihre Freiheiten genießen… Kein Wunder, eine Insel, die sechsmal so groß wie Deutschland ist und nur 56.000 Einwohner, bietet endlose Möglichkeiten sich in wundervoller Natur aus dem Weg zu gehen… Frau Woodall mein Interviewpartner lebt im relativ grünen Süden Grönlands.

Guten Frau Woodall vielen Dank, ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen, einige Fragen zu beantworten: Wie war das Jahr 2021 für den Tourismus in Grönland und Südgrönland insgesamt?
Im Namen von „Visit South Greenland“, der Destinationsmanagementorganisation für die Region Südgrönland, danke ich Ihnen noch einmal für diese Möglichkeit.
Der Tourismus in Grönland im Jahr 2021 erinnerte stark an das Vorjahr. Es gab weiterhin strenge Einreisebestimmungen hinsichtlich Nationalität und Impfstatus, und aufgrund der strengen Vorschriften für schiffsbasierte Ankünfte gab es erneut keine Anläufe von Schiffen jeglicher Größe. Für Südgrönland, das größte Kreuzfahrtziel des Landes, wirkte sich dies auf unsere lokalen Reiseveranstalter aus. Auch Direktflüge aus Dänemark und Island gab es das zweite Jahr in Folge nicht, und das hat nicht nur uns im Süden, sondern auch den Regionen im Norden und Osten sehr geschadet. Auf der positiven Seite führte das ganze Land ein zweites Jahr der Staycation-Kampagne „Nunarput Nuan“ durch, in der die Einwohner Grönlands dazu angeregt wurden, innerhalb Grönlands statt international zu reisen. Südgrönland war wieder ein großer Hit für „Staycation-Gäste“!

Farbenfroher Ort in Südgrönland

Was erwarten Sie für das Jahr 2022? Können Sie Sie etwas positives aus der Krise ziehen?
Ich persönlich möchte wirklich, dass 2022 das regenerative Jahr wird, und Grönland hat die Gelegenheit dazu. Wir sind an der Reihe, im September die Vestnorden-Reisekonferenz auszurichten, die etwa 150 Reiseveranstalter aus der ganzen Welt ins Land bringt, um dauerhafte Geschäftsbeziehungen mit lokalen Reiseveranstaltern zu knüpfen und Grönland aus erster Hand zu erleben. Vor allem die sechs Vortouren (eine in jeder Region) geben allen Regionen eine einmalige Gelegenheit, zu glänzen! Wir bei „Visit South Greenland“ arbeiten an aufregenden positiven Entwicklungen, insbesondere im Hinblick auf eine Saisonerweiterung, die durch eine verbesserte Zugänglichkeit unterstützt wird. Es ist uns nicht nur gelungen, die direkte Sommerflugverbindung von Icelandair in unsere Region wiederherzustellen, sondern wir haben auch eine Vereinbarung mit der Fluggesellschaft getroffen, ihren Service auf zusätzliche Saisons auszudehnen. Das ultimative Ziel ist es, schließlich eine ganzjährige Route über Island nach Südgrönland zu haben.

Grönland ist während der Pandemie einer der isoliertesten Orte zum Leben. Gibt es etwas, das Sie vermissen und nachholen möchten oder was Sie sich wünschen?
Die restliche Welt mag denken, das Grönland isoliert wäre, aber wir Einwohner fühlen uns nicht unbedingt so. Während der überwiegenden Mehrheit der COVID-19-Pandemie haben wir ein unglaubliches Maß an Freiheit innerhalb des Landes genossen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir bereits sehr daran gewöhnt sind, „unsere eigenen Abenteuer“ in der Natur abseits der Massen zu erschaffen (anstatt uns auf Restaurants und Kinos zu verlassen, um uns zu unterhalten), würde ich sagen, dass wir unsere geistige Gesundheit und unseren Tagesrhythmus beibehalten haben in hohem Maße. Als jemand, der in der Regel viele Male im Jahr für touristische Arbeiten reist, vermisse ich persönlich die Teilnahme an häufigen globalen Reisekonferenzen und das Wiedersehen mit alten Freunden aus der Branche. Ich hatte jedoch das Glück, letzten Herbst an zwei Konferenzen in Island und auf den Färöer-Inseln teilzunehmen, was wunderbare Erfahrungen waren!

Nützliche Informationen:
Infos und Buchungsmöglichkeiten zu Südgrönland/Grönland: visitsouthgreenland.com
visitgreenland.com/de
Nationale Airline: www.airgreenland.com
www.skandinavien.de/rueckschau-und-der-versuch-eines-ausblicks-auf-2021

Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3 der Reihe “Ausblick und Rückschau – Wie geht es weiter im Norden?”

Text & Bilder: © Reinhard Pantke

Über den Autor

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten gut 35 Jahren insgesamt 200.000 km per Fahrrad und ohne Motor zurück. Seine besondere Liebe gehört dem Norden, seine allererste Radtour führte ihn 1983 als 17-jährigen nach Norwegen. Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Ausstellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. In normalen Jahren zeigt er im Winterhalbjahr seine Multivisionsshows einem breiten Publiikum. Für Nordis hat er er etliche Berichte über seine Lieblingsregionen verfasst.

Kommentieren

Klick hier um zu kommentieren