Dänemark Entdeckungen

Trauminsel – mit dem Flieger nach Bornholm

Text & Bilder: © Hans Klüche

Langsam senkt die bunte Turboprop Maschine von DAT die Flughöhe beim Anflug auf Bornholm. Was für eine Ankunft auf unserer Lieblingsinsel: Unten schieben sich der Hafen, wo ich schon so oft angekommen bin, und die kleinen Gassen der Altstadt von Rønne ins Bild. Die Inselhauptstadt sieht aus dieser ungewohnten Perspektive noch kuscheliger aus, als wenn man unten selbst über das Kopfsteinpflaster schlendert. Dann schwenkt das Flugzeug zum Landanflug noch einmal über das Meer hinaus. Der lange Pier von Arnager füllt das kleine Fenster der Maschine, deutlich sieht man unten die kleinen Boote in dem weit vor die Küste ausgelagerten Hafen. Ich schaue meine Frau neben mir an “Gleich einen Bornholmer?”. Nachdem wir den Mietwagen übernommen haben ist es nur einen Katzensprung vom Flughafenterminal zur Räucherei von Arnager: Passender als mit einem klassischen Bornholmer, den im Räucherofen über Erlenholz zur goldenen Delikatesse veredelten Hering, kann man einen Bornholmbesuch wohl kaum beginnen!  

Der Kurztrip mit dem Flieger nach Bornholm ist ein Hochzeitstaggeschenk an meine Frau, haben wir doch auf der Insel vor Jahren geheiratet. Zwar in Ruinen, in denen der mittelalterlichen Burg Hammershus, aber eben auf solidem Bornholmer Granit – ein offensichtlich gutes Rezept für eine lange Liebe. Natürlich steht Hammershus bei diesem verlängerten Hochzeitstagswochenende auch auf dem Besichtigungsprogramm und natürlich das obligatorische Foto vor unserem Hochzeitsbaum. Der Besuch der Burg ist noch spannender geworden, seit das neue, architektonisch wunderbar in die Felsenlandschaft eingepasste Besucherzentrum die Geschichtszusammenhänge darstellt – immerhin haben hier Wikinger, Lübecker Hansekaufleute, Bischöfe aus Lund und schwedische wie dänische Könige versucht ihre Macht über die Insel zu demonstrieren – nicht immer erfolgreich. Der berühmte Volksaufstand der Bornholmer gegen die Schweden im 17.Jahrhundert, der die Insel für immer zu einer dänischen machte, hatte hier einen Höhepunkt. Dabei kann man von den Burgmauern hoch über der Felsenküste bei klarem Wetter deutlich die schwedische Küste erkennen, nachts sieht man ihre Lichter. 

Die Wanderung über den Küstenpfad von Hammershus hinunter zum kleinen Hammerhavn mit den berühmten Sandwiches am Hafenkiosk und dann weiter die Küste entlang rund um Hammeren ist ein echter … ja, Wortwiederholung schreit mein Autorengewissen, aber es ist wirklich ein Hammer. Abwechslungsreiche Felsenküsten, die Ruine der Salomons Kapel, der Leuchtturm Hammerodde und dann die malerische Badebucht von Sandvig, ein Kleinod unter Bornholms Badeorten. Sandvig war schon im späten 19. Jahrhundert bei deutschen Urlaubern beliebt, als hier deutsche Firmen im Granitabbau aktiv waren. An den erinnern alte Steinbrüche am Rande von Hammeren, mal zu malerischen Seen geworden, mal spannende Location für Kletterer und andere Adrenalin-Junkies. 

Ein Highlight jeder Borholmreise ist für mich dann zum Abend hin, wenn die Sonne über Hammeren verschwindet, ein Besuch in der Eisdiele Kalas direkt über der Felsenküste am Rande von Sandvig – meine absoluter Eisfavorit auf der Insel. Ich weiß, einige Bornholmfans werden jetzt andere Handwerkseismacher als ihre Favoriten proklamieren, aber zusätzlich zu den superleckeren Eispezialitäten in der Kalas Eisdiele, bei denen fast alle Zutaten, vor allem die Früchte, von der Insel kommen, sind die Lage über dem Meer und der Ausblick auf die Bucht von Sandvig mit Hammeren im Hintergrund nicht zu toppen.  

Eigentlich ist es auf der Insel aber egal, ob man im felsigen Norden oder im sandigen Süden eine Unterkunft bucht. Denn selbst von unserem Hotel in Sandkås im Norden sind die breiten Strände um die Südspitze Dueodde mit dem Mietwagen eigentlich nur eine Stunde gemütliches Cruisen über die abwechslungsreiche Küstenstraße entfernt – aber die Stunde wird meist länger, denn an den schmucken Städtchen wie Gudhjem, das eine geradezu mediterrane Stimmung ausstrahlt, und Svaneke mit seinen malerischen Fachwerkhäusern, der großen Glasbläserei, den Keramikstudios sowie den verführerischen Karamel- und Pralinenmachern, fährt man nicht so einfach vorbei. Und gutes Eis machen sie in Svaneke auch, aber wie gesagt, mein Eis-Favorit liegt ganz im Norden…

Sonnenuntergang über der schwedischen Küste – gesehen von Bornholm.

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