Finnland Rundreisen

Diesmal fahren wir zu ihm! Weihnachtsmann wir kommen!

Genau am 3.Oktober war es, als ich mit meiner Frau in einem kleinen Café sitze, ohne Kinder, denn die sind bei Oma. Beim Kaffee träumen wir vom Reisen. Draußen vor der Tür steht unser Amarok, bereit was zu erleben, der Wohnwagen steht fertig gepackt zu Hause, nächste Woche geht’s nach Italien. Aber war es das dann für dieses Jahr? Wir spinnen, diskutieren, verwerfen wieder alles und planen es am Ende genauso noch einmal. Nach dem zweiten Kaffee haben wir bereits die Nachtfähre am 21.12. gebucht. Weihnachten verbringen wir – das sind meine Frau Jacqueline und ich, natürlich auch unsere beiden Kinder Finja und Pepe – dieses Jahr am Polarkreis in Finnland. Die nächsten Nächte schaffen wir es kaum zu schlafen, so viele Dinge schwirren uns durch den Kopf. Kann man das mit den Kindern machen? Im Winter in den hohen Norden, geht das gut? 

Zwei Monate später sitzen wir im Auto und machen uns auf den Weg nach Rostock. Mit der Nachtfähre soll es nach Trelleborg gehen, sodass wir ausgeschlafen ins verschneite Schweden starten können. Ok, die Realität sieht anders aus. Wir sind so aufgeregt, das Schiff so laut, die Nacht so kurz. Kurzum: Als wir am nächsten Morgen schwedischen Boden befahren, sind wir weder ausgeschlafen noch finden wir Schnee. Das soll sich aber in den nächsten Tagen ändern.

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Südschweden im Winter – wie zu Hause nur dunkler!

Die erste Etappe ist relativ ereignislos, wir kommen gut voran und checken am Abend in ein Hotel in der Nähe von Stockholm ein. Ein erster weißer Puder legt sich nachts über die Autos. Die kommenden zwei Tage verbringen wir größtenteils auf der E4 Richtung Norden, begleitet von ständigen Geräuschen der Bewunderung. Die Straße führt einfach so traumhaft an den Schären der schwedischen Ostsee vorbei, dass die Kinder es lautstark bewundern und wir es fotografieren müssen, ich gebe zu ich fotografiere etwas öfter.

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Ein Amarok bleibt selten allein

Immer mal wieder halten wir die Facebook-Community mit Fotos auf dem laufenden, posten am Vormittag des 23.12. ein Foto unseres Autos und keine halbe Stunde später werden wir zur Fika eingeladen. Fika ist der schwedische Begriff für eine Pause mit Kaffee und Kuchen, die Uhrzeit spielt da nur untergeordnet eine Rolle. In dieser Beziehung sind wir Vollblutschweden und lassen uns nicht lange bitten. Nach 15 Kilometern Umweg kommen wir, wie sollte es anders sein, bei Roberts rotem Schwedenhäuschen auf einer kleinen Anhöhe an. Robert und seine Frau sind erst 2018 nach Schweden ausgewandert und fahren wie wir, einen Amarok. Obwohl wir uns nicht kennen, verbringen wir die nächste Stunde wie alte Freunde in ihrem gemütlichen Haus und genießen neben leckerem Kuchen auch die Aussicht ins Tal. Mittlerweile ist es dunkel, auf die Sonne werden wir sowieso die nächsten Tage verzichten müssen. Dank des Schnees, der hier oben nun reichlich vorhanden ist, ist das aber auszuhalten. Unsere letzte Unterkunft vor dem Weihnachtsmann, führt uns erneut ein wenig ins Hinterland. Wir verlassen die Hauptstraße und finden uns augenblicklich im Winterwunderland wieder. Die Straßen bedeckt eine festgefahrene Schicht aus Schnee, und die Bäume ringsum können ihre Äste durch die Last des Schnees kaum halten. Das Hostel ist so klein und unauffällig, dass wir trotz warnender Navigation erst einmal daran vorbeifahren. Also umdrehen und staunen. Das Hostel ist eher ein Einfamilienhaus und könnte durchaus als original Requisite für einen Pippi-Langstrumpf-Film herhalten. Außen wie innen einfach schön. Es ist fast ein wenig schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben können. Aber, wer mitgerechnet hat, merkt, heute ist der 24.Dezember – Heiligabend, und wir haben noch fast 800 km schneebedecktes Schweden vor uns.

Am Abend ist Heiligabend

Mit einigen kurzen Fotostopps passieren wir um 14 Uhr die finnische Grenze. Im selben Moment klaut uns die Zeitverschiebung allerdings eine Stunde, sodass wir für die letzten 130 km bis Rovaniemi bis 17 Uhr Ortszeit brauchen. Wir haben es geschafft! Die ersten 2.500 km haben wir ohne den kleinsten Zwischenfall überwunden und genießen den Heiligabend in unserer kleinen Familie. Ok, so ganz einfach war das mit dem Genießen nicht. Restaurants die auf vier spontane Deutsche warten? Nicht in Rovaniemi am Heiligabend, es war natürlich alles voll. Also schlagen wir beim Angebot unseres Hotels zu. Zum Schnäppchenpreis von 400,-€ (plus Getränke) genießen wir das wirklich tolle finnische Buffet, und was soll ich sagen, wir ärgern uns kein bisschen darüber. Es ist Weihnachten, wir sind mit den Kindern im Weihnachtsmanndorf in Finnland, irgendwie ist das noch nicht real! Die folgenden zwei aufregenden Tage verbringen wir in Finnland. Wir treffen den echten Weihnachtsmann in seinem Dorf, unsere Kinder gehen in die Elfenschule und wir können die Rentiere hautnah bewundern. Natürlich überschreiten wir auch Hand in Hand den legendären Polarkreis. Mein Highlight folgt aber in der letzten finnischen Weihnachtsnacht, am 26. Dezember. Gebucht habe ich das ganze per Mail, als ich warten musste, bis sich die Kinder zu echten Elfen haben ausbilden lassen. Dass wir mitten in den Weihnachtsfeiertagen sind, das habe ich irgendwie verdrängt. Unser Guide scheinbar auch, oder er war froh, dass er zu Hause raus durfte. Gegen 20 Uhr holt er uns ab und wir fahren nach Kemi, eine finnische Küstenstadt. Hier steigen wir um auf die Schneemobile. Bei minus 25 Grad für die nächsten Stunden quer über die zugefrorene Ostsee, kann das ohne Erfrierungen gut gehen? Es ging und es war für alle ein Riesenspaß! Selbst die Kinder dürfen auf der einsamen Ostsee mal ans Steuer. Die Tour führt weg von Kemi über einige kleine Inseln, bis wir schließlich an einem Tipi stoppen. Hier machen wir Rast und schwatzen bis in die Nacht mit unserem Guide bei Kinderpunsch und Heidelbeerkuchen seiner Oma.

Mit Geschenken im Gepäck zurück

Weihnachten ist vorbei und wir treten den Heimweg an. Mit zwei Zwischenstopps wollen wir bis Stockholm fahren. Jacqueline nutzt die Fahrtzeit regelmäßig, um nach interessanten Orten zu suchen. Dadurch biegen wir wieder mal von der E4 ab und spazieren beim herrlichen Winterlicht in Lappland durch ein Museumsdorf. Das Örtchen in der Nähe von Luleå hat mittlerweile, wie unsere Heimatstadt Eisleben, den UNESCO-Weltkulturerbe-Titel erlangt und liegt im Winter ganz verlassen im Schnee. Einzig die Weihnachtsbeleuchtung hinter den zugefrorenen Fenstern zeugt von echten Bewohnern. Nach nur vier Tagen ohne Sonnenlicht ist es ein wahnsinnig tolles Gefühl, die Sonne am Horizont wieder zu sehen. Sie begleitet uns mehrere Stunden, und man hat das Gefühl eines endlosen Sonnenaufgangs. Irgendwann habe auch ich aufgehört anzuhalten und Fotos zu machen. So langsam wie die Sonne wieder kommt, so langsam verlassen wir Lappland Richtung Süden, die Straßen und die Landschafft werden wieder »europäischer« und wir steuern Stockholm an. 

Stockholm zu Fuß

Obwohl ich Autofahren liebe, in Stockholm hat das Auto zwei Tage Pause und wir erkunden die Hauptstadt Schwedens zu Fuß. Wir finden, gerade das Dämmerlicht des Dezembers macht die Stadt noch einmal viel gemütlicher, die engen Gassen romantischer und das Fika leckerer. Davon genießen wir hier mindestens drei am Tag, wie gesagt, Fika geht immer! Wenn wir nicht Kaffee trinken, schlendern wir durch die Straßen, erkunden die Inseln und lassen uns von einem Kahn an der Küste entlang schippern. Wie oft bin ich schon endlose Kilometer gefahren, um dann doch kein Tier zu sehen (als letztes eine Bibersafari in Schweden, ohne auch nur einen Biber), hier in der Hauptstadt klopft der Kapitän gegen die Scheibe, bis ich mich nach ihm umdrehe. Und dann zeigt er zwinkernd zu einem Baum hinüber. Die nächsten 263 Fotos gehören dem Seeadler, der dort sitzt! Stockholm ist toll und so kommen wir trotz der Kinder im Schlepptau beide Abende erst spät in unserer Unterkunft an, müde aber glücklich.

Party verschlafen

Pünktlich an Silvester reisen wir weiter nach Malmö an der Westküste, wir haben große Pläne. Silvester in der Altstadt soll toll sein. Am Hotel etwas außerhalb empfangen uns Sturm und Regen, irgendwie hat nun keiner mehr Lust auf draußen. Von den drei Restaurants in der näheren Umgebung bekommen wir die gleiche Antwort wie an Heiligabend in Finnland – voll! Aber hey, irgendwie sind wir ja trotzdem Camper und haben immer etwas Essbares dabei. Wir beschließen, auf dem Zimmer zu feiern. Hat sich die Dame vom Hotel vertan? Sollen wir wirklich in die 13. Etage? Kann dieses Zimmer mit bodentiefen Fenstern und Blick über die Stadt unseres sein? Ist wohl so, der Schlüssel passt! Wir genießen auf dem Bett den Abend, die Kinder holt die Müdigkeit schon vor 12, uns kurz danach. Egal, wir müssen am nächsten Morgen um 8:00 Uhr auf der Fähre nach Hause sein. Wer denkt sich bitte solche Zeiten an Neujahr aus?

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Über den Autor

Team Schwarz

Micha und Line, das ist Team-Schwarz! Wir bereisen mit unseren Kindern Europa. Nicht immer aber oft mit Wohnwagen. Nicht immer aber oft mit Abenteuern. Nicht immer aber oft mit neuen Bekanntschaften, Freundschaften. Seit 2017 halten wir unsere Reisen in unserem Blog www.Team-Schwarz.de fest. Unser Blog ist für uns das perfekte Medium, um Michas Fotos nicht auf dem Computer einstauben zu lassen und Lines Reisetagebuch den ebenso Reiselustigen zugänglich zu machen.

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