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Wenn sich die Bären schlafen legen – Wintererlebnisse im arktischen Seenland

Von November bis April hat der Winter Finnland fest im Griff, die Temperaturen fallen weit unter den Gefrierpunkt, eine weiße Schneedecke bedeckt das Land, und am Himmel tanzen die Polarlichter.

Text: Rasso Knoller, Titelbild: © Sointu Mäkelä

Im Nordosten Finnlands, im arktischen Seenland bei Suomussalmi, ist der König des Waldes zu Hause: der Braunbär. Obwohl über 2.000 Bären in Finnland leben, trifft man sie in freier Wildbahn kaum. Sie meiden den Menschen. Wer das größte Landraubtier Europas sehen will, findet in Suomussalmi gleich mehrere Anbieter für »Bear-Watching«-Touren. Dabei verbringt man die Nacht in einer Wildhütte, beobachtet die Tiere aus einem sicheren Versteck und kann spektakuläre Fotos machen. Der Guide legt zu Anfang der Tour Köder aus, die die Tiere anlocken. Manchmal tauchen dann nicht nur Bären, sondern auch Wölfe oder Vielfraße auf und bedienen sich an dem Fressen. Freilich sind die Touren nur vom späten Frühjahr bis in den Herbst hinein buchbar. Dann nehmen sich die Hauptdarsteller der Veranstaltung eine mehrmonatige Auszeit und halten Winterschlaf … und versäumen damit die vielleicht schönste Jahreszeit im finnischen Norden.

Mit Ski, Schneeschuh und Fahrrad

Obwohl die Ferienhäuser in der Region Suomussalmi allesamt mit Sauna und viele auch mit offenem Kamin ausgestattet sind, wäre es schade, wenn man die kalte Jahreszeit drinnen aussitzen würde. Warm eingepackt geht es hinaus ins Winterwunderland – zum Langlaufen, Schneeschuhwandern oder Fatbike-Fahren. Die Ausrüstung braucht keiner mitzubringen, die leiht man bequem vor Ort. Selbst angeln kann man im Winter. Dann sind zwar alle Seen zugefroren. Das aber stört die Finnen nicht. »Pilkki«, so heißt Eisangeln in der Landessprache, ist Nationalsport. Schnell ist ein Loch ins Eis gebohrt und schon kann es losgehen. Wer sein finnisches Winterabenteuer lieber unter sachkundiger Anleitung erleben will, bucht eine Tour, überlässt die Organisation den Profis und genießt das Naturerlebnis.

Zum Wandern nach Hossa

Outdoor-Fans zieht es besonders in den Hossa-Nationalpark. Auch im Winter sind die Wege gut gepflegt. Knapp sieben Kilometer ist die Tour zu den Felszeichnungen von Värikallio. Vor 4.000 Jahren hinterließen Steinzeitkünstler hier 61 Figuren an einer Felswand am Ufer des Somerjärvi. Was die 1977 wiederentdeckten Bilder bedeuten, bleibt ein Rätsel. Besucher können ihrer Fantasie also freien Lauf lassen. Forscher vermuten, dass es sich um eine Kultstätte handelt. Die steilen Klippen bieten jedenfalls ein beeindruckendes Fotomotiv.

Ein weiterer Winterwanderweg führt in knapp 15 Kilometern zum benachbarten Schluchtensee Julma-Ölkky. Der zwölf Kilometer lange Jatkon-Jotos-Trail (Start: Parkplatz Saari-Hoilua) umrundet den See und bietet spektakuläre Ausblicke von den Steilufern auf die Eisfläche. Noch länger ist der 30 Kilometer lange »Brotweg« (Start: Kainuu Nature Tours, Joukojärventie 14). Er folgt einem alten Pfad, den einst Fischer, Bauern und Holzfäller nutzten. Wer ihn an einem Tag schaffen will, braucht Kondition. Ein besonderes Abenteuer ist die Übernachtung in der rustikalen Wildhütte Ala-Valkeinen am Rande des Wanderwegs. Wie in Finnland üblich, ist sie nicht abgeschlossen und kostenlos nutzbar. Schlafsack und Proviant muss man allerdings selbst mitbringen. Wer es abends warm haben will, heizt den kleinen Holzofen an.

Rentiere zum Streicheln

Bei Familien mit Kindern steht die nur fünf Kilometer von Suomussalmi entfernte Rentierfarm Korpiporo ganz oben auf der Besuchsliste. Hier kann man Rentiere streicheln, füttern und mit dem Schlitten ausfahren. Die ganz Kleinen dürfen sogar auf einem zahmen Rentier reiten.
Das »Stille Volk« (siehe Titelbild) wohnt 40 Kilometer von Suomussalmi entfernt am Rande der Fernverkehrsstraße 5. Eigentlich handelt es sich dabei nur um Vogelscheuchen – allerdings um mehr als 1.000 davon, die je nach Jahreszeit neu eingekleidet werden. 1988 hatte der Tänzer und Choreograf Reijo Kela die Idee zu dem Riesenkunstwerk. Das Stille Volk diente schon mehrfach als Kulisse für Filmaufnahmen und gibt auch ein prächtiges Motiv für Selfies jeder Art ab. Es gehört inzwischen zu den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten im arktischen Seenland.
Im »Soiva Metsä«, dem Musikwald – nur sieben Kilometer vom Zentrum von Suomussalmi entfernt gelegen – ist Stille nicht gefragt. Dort haben Künstler riesige Musikinstrumente in Form von Klanginstallationen aufgebaut. So können sich die Wanderer als Klangkünstler an diesen Kunstwerken versuchen. Aber hauen Sie nicht zu sehr auf die Pauke, womöglich wecken Sie noch einen Braunbären aus dem Winterschlaf auf.

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Suomussalmi Tourist Office, Tel. +358 44 777 3250, visit@suomussalmi.fi, Jalonkaarre 5, 89600 Suomussalmi.
Infos zur Schneesaison in Suomussalmi

ANREISE

Flughafen Kajaani (KAJ): etwa 115 km von Suomussalmi und 215 km von Hossa entfernt
Flughafen Kuusamo (KAO): etwa 150 km von Suomussalmi und 85 km von Hossa entfernt.
Suomussalmi ist über direkte Busverbindungen von Kajaani, Kuusamo und Oulu erreichbar.

AKTIVITÄTEN

Hossa-Nationalpark, Das stille Volk
Rentierfarm: Porokankaantie 6, 89600 Suomussalmi, Tel. +358 44 249 2497, www.korpiporo.fi/en
Bärenbeobachtung (verschiedene Anbieter):
www.arolabear.com, www.martinselkonen.fi, www.hossankarhut.fi/en

Nordis-Tipps für Suomussalmi im Sommer

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