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Mjølkevegen – Norwegens Milchstraße für Zweiräder

Der Mjølkevegen war nie für Radfahrer gedacht. Lange vor Gravelbikes und Routenkarten verbanden diese Bergstraßen Sommerhöfe – die traditionellen Støler, auf denen die Tiere den kurzen nordischen Sommer auf den Hochweiden verbrachten. Über Generationen hinweg wurde die Milch in den Bergen zu Butter und Käse verarbeitet, bevor sie ins Tal transportiert wurde. Später, als die Molkereien modernisiert wurden und frische Milch schneller transportiert werden musste, wurden die Straßen höher in die Landschaft verlegt, wobei der Bau in den 1950er Jahren seinen Höhepunkt erreichte. Diese praktischen Milchstraßen gaben der Route ihren Namen: Mjølkevegen – die Milchstraße.
Text: © Glenn Roar Berge I Titelbild: Markus Stitz

Heute ist dieses ehemalige Wegenetzwerk zu einer der originellsten Radtouren Skandinaviens geworden. Für Reisende, die sich ebenso für Kultur wie für die Landschaft interessieren, ist Mjølkevegen vielleicht die lohnendste Radtour Nordeuropas. Sie führt über ruhige Schotterstraßen, Feldwege und sanfte Bergpässe durch die offenen Landschaften von Valdres und den benachbarten Tälern, mit weiten Ausblicken auf die Gipfel am Rande des Jotunheimen-Nationalparks. Hier bleiben die dramatischen Berge in der Ferne, während die Route selbst durch sanfteres Gelände mit Seen, Birkenwäldern und vereinzelten Bauernhöfen führt. Es geht weniger darum, Anstiege zu bezwingen, als vielmehr darum, einen gleichmäßigen Rhythmus durch eine lebendige Landschaft zu finden.

Die alten Sommerhöfe prägen nach wie vor den Charakter der Route, wenn auch oft auf neue Weise. Einige noch bewirtschaftete Støler heißen Besucher nach Vereinbarung willkommen und bieten einen Einblick in das Leben auf dem Bergbauernhof sowie die Möglichkeit, Käse von bemerkenswerter Qualität zu probieren. Häufiger lebt ihr Erbe in Berghütten und kleinen familiengeführten Hotels weiter, von denen viele auf ehemaligen Gehöften gegründet wurden. Ihre Gastgeber gehören zu den wahren Hütern der Region und bewahren lokales Wissen, Rezepte und Geschichten, die über Generationen hinweg im Hochland geprägt wurden.

Das Essen ist einer der stillen Genüsse des Mjølkevegen. Zutaten, die einst aus der Not heraus entstanden, treten heute mit frischer Selbstverständlichkeit in den Vordergrund: Bergforelle, Wurstwaren, Beeren, Bauernkäse und Backwaren frisch aus dem Ofen. Nach einem Tag im Sattel erinnern sich viele Radfahrer ebenso lebhaft an das Abendessen wie an die Aussichten unterwegs.

Der Mjølkevegen lässt sich auf verschiedene Weise erkunden, von kürzeren Rundtouren bis hin zur Grand Tour von rund 250 Kilometern. Viele Radfahrer entscheiden sich für selbstgeführte Touren mit Gepäcktransfer zwischen den Übernachtungsorten, sodass sie mit leichtem Gepäck reisen und ganz in die Landschaft eintauchen können.

Insider-Tipp:

Brechen Sie an einem klaren Morgen in der Nähe von Vaset früh auf, wenn noch Nebel über den Seen liegt und das einzige Geräusch das ferne Läuten von Kuhglocken ist. In diesen stillen Stunden offenbart der Mjølkevegen die Landschaft, die ihn geprägt hat.

Weitere Informationen auf der Seite von Visit Valdres.

Nordis-Tipp für organisierte Touren:

Jotunheimen Travel, dort arbeitet u.a. auch Simon Michalowicz (Simon på tur).

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