Norwegen Rundreisen

Norwegen im Kleinformat – unterwegs am Sognefjord 

Die Landschaften an Norwegens längstem Fjord und seinen Nebenfjorden locken mit einem abwechslungsreichen Mix aus Wasserfällen, dramatischen Bergen, Kulturlandschaften und gemütlichen Dörfern. Die Ausblicke ändern sich im Sekundentakt, hinter jeder Kurve begeistert eine neue Aussicht. Der Nordis-Autor Reinhard Pantke gibt einige Tipps für seine vielleicht noch nicht so bekannten Lieblingsorte. Neben der Fjordnähe haben diese Orte eine weitere Gemeinsamkeit: Man erreicht sie in Tagestouren von Sogndal aus. Eine Auflistung, die keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und nur einige Tipps geben soll!
© Text & Fotos: Reinhardt Pantke

Solvorn, Urnes und Feigumfossen

Kaum 20 km entfernt von Sogndal liegt am Ufer des Lustrafjorden – eines Nebenfjordes des Sognefjordes – das beschauliche Dorf Solvorn. Nach einer kurzen Überfahrt erreicht man Ornes und die beeindruckende fast 900 Jahren alte Stabkirche von Urnes. Ein Gebäude aus Holz, 900 Jahre alt und heute noch stehend!
Entlang des türkisfarbenen, in der Sonne glitzernden Lustrafjorden windet sich die schmale Straße spektakulär weiter am Fjord entlang. Nach ein paar Kilometern kommt man zu einem Parkplatz, wo eine Wanderung beginnt, die durch märchenhafte, Moos bewachsene Wälder zum 218 m hohen Feigumfossen führt, Norwegens zweithöchstem Wasserfall. Über Skjolden geht es auf der anderen Seite des Lustrafjorden zurück nach Sogndal.

Balestrand und Gaularfjell

Von Sogndal cruist man entlang des Fjordes durch Orte wie Leikanger und Hermansverk, die sich mit ihren Apfel-, Kirsch und Birnenbaumplantagen an die steilen Fjordufer schmiegen. Balestrand, ist ein entspannter kleiner Ort mit herrlichen Holzvillen, dem Nachbau einer Stabkirche und dem imposanten „Kviknes Hotel“. Das Hotel ist noch heute das zweitgrößte Holzgebäude Skandinaviens. Nicht ohne Grund findet man direkt daneben das Norwegische Museum für Tourismus und Reisen, schon Kaiser Wilhelm II. dinierte hier am Sognefjord.
Vielleicht weniger bekannt ist die spektakuläre Fahrt über das Gaularfjell, wer genug Zeit mitbringt, kann weiter entlang der des Flusses Gaular, durch eines der ursprünglichsten Täler Westnorwegens mit vielen Wasserfällen und Stromschnellen talwärts fahren.

Das Bücherdorf Fjærland

Lange Zeit war das Dorf im Schatten der Gletscher nur per Boot von Balestrand aus erreichbar. Man musste sich etwas einfallen lassen, um Touristen anzulocken und leerstehende Hallen und Geschäfte zu nutzen. So verwandelte sich der Ort 1995 in ein Bücherdorf, in dem kilometerlange Bücherregale warten: Manche einfach nur als bunte Zufallssammlungen, manche als kuratierte Sammlungen oder in Regalen am Straßenrand stehend, die die Einheimischen dort mit Schubkarren bestücken. Viele Bücher kommen übrigens als Spenden aus dem ganzen Westen Norwegens. Eine Bekannte des Autoren kommt, nachdem sie lange im Labyrinth der Gänge verschwunden war, sogar mit einem alten Band von Ricarda Huch zurück, einer Dichterin aus meiner Heimatstadt Braunschweig. Doch nicht nur „Leserratten“ kommen auf ihre Kosten, auf dem ruhigen Fjord kann man die beeindruckende Kulisse während Boots- oder Kajaktouren genießen und ein paar Kilometer weiter lockt die Gletscherzunge des Bøyabreen, die sich allerdings weit zurückgezogen hat.

Lærdal, Borgund und der alte Königsweg

Dies sind die einzigen Plätze, die auf der Südseite des Fjordes gelegen sind. Im Zentrum von Lærdal locken über 150 denkmalgeschützte Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu einem Spaziergang.
Wer dem daneben liegenden Lachsfluss Lærdalselv ca. 30 km landeinwärts folgt, kommt zu der Stabkirche von Borgund, die als die besterhaltene Stabkirche Norwegens gilt. Ganz in der Nähe ist der spektakuläre „Königsweg“ über das Filefjell, der im 18. Jahrhundert als Teil einer Verbindung zwischen Oslo und Bergen gebaut worden war. Menschen bauten diesen kurvigen Steinweg ohne Maschinen, nur mit Schaufel und Spitzhacke.

Beste Reisezeit

Der Autor empfiehlt die Zeit zwischen Mitte Mai und Mitte Juni als Reisezeit, nicht nur wegen der oft stabilen Wetterlagen. Auf den umliegenden Bergen und Pässen liegt noch Schnee während der Frühling die Täler zu üppigen Blütenmeeren verwandelt, allein an den Ufern des Sognefjordes blühen dann 80.000 Obstbäume. Viele Unterkünfte und Attraktionen sind aus dem „Winterschlaf“ erwacht, die Preise noch niedriger und die Touristenströme kommen später, da auch in Skandinavien noch keine Schulferien sind. Alternativ ist der Herbst, September/Oktober, eine schöne und entspannte Reisezeit für diese Region.

Hier gibt es weitere Infos und Inspirationen zur Region.

Über den Autor

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten gut 35 Jahren insgesamt 200.000 km per Fahrrad und ohne Motor zurück. Seine besondere Liebe gehört dem Norden, seine allererste Radtour führte ihn 1983 als 17-jährigen nach Norwegen. Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Ausstellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. In normalen Jahren zeigt er im Winterhalbjahr seine Multivisionsshows einem breiten Publiikum. Für Nordis hat er er etliche Berichte über seine Lieblingsregionen verfasst.

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