Die allermeisten werden den Trollstigen kennen, aber die wenigsten haben vom ca. 50 km entfernten Aursjøvegen etwas gehört. Der Nordis-Autor Reinhard Pantke, der gerade mehrere Monate per Fahrrad in Norwegen und Schweden unterwegs ist, hat den abenteuerlichen Weg über die Berge erkundet und schildert seine Erlebnisse.
Text und Bilder: Reinhard Pantke
Das kleine Dorf Eikesdalen am glasklaren Eikesdalsvatnet war lange Zeit fast von der Außenwelt abgeschnitten und nur durch ein kleines Passagierboot erreichbar.. Erst 1991 entstand die Straße, die sich entlang des Sees, begrenzt durch unglaublich steile Bergwände und einen vier Kilometer langen Tunnel nach Eikesdalen windet.
Schon die Anfahrt entlang des Sees mit Blick auf Berge und das winzige Dorf ist ein Highlight. Im Ort gibt es zwei Campingplätze und ein Wirtshaus – leider sonntags geschlossen und montags Ruhetag. So musste ich von Samstag bis Mittwoch aus den Packtaschen leben, vier Tage ohne Einkauf.
Am nächsten Morgen stand noch ein Abstecher zu Norwegens höchstem Wasserfall auf dem Programm, der allerdings nur zwischen Ende Juni und August Wasser führt.



Aufwärts
Der Campingplatzbetreiber beschrieb die folgende Strecke als „Trollstigen on steroids“ – und er hatte recht: Nach einem lockeren Beginn wurde es mit 9–13 % richtig steil. Mit meinem „Biobike“ (ohne Motor) und rund 55 kg Gesamtgewicht blieb oft nur Schieben. Schotter, schmale Leitplanken und steile Abgründe sorgen für gehörigen Respekt, nicht nur bei Radfahrern. Dazu kommt ein stockdunkler, enger Tunnel bergauf, in dem mir mit guter Lampe nur wenige Meter Sicht blieben und mir mittendrin ein Wohnmobil begegnete.
Nach einigen Stunden, vielen Trinkpausen und noch mehr Fotostopps erreiche ich schließlich das Hochfjell. Offenbar sehe ich ziemlich erledigt aus – gleich mehrere Leute halten an und bieten mir kaltes Wasser und sogar eine Mitfahrgelegenheit an. Das Wasser nehme ich dankend an. Die Mitfahrgelegenheit? Niemals.



Norwegische Gastfreundschaft und wilde Weiten
Der Aursjøvegen entstand beim Bau der Staudämme und ist meist von Mai/Juni bis zum ersten Schnee befahrbar. Für größere Wohnmobile oder Gespanne ist die Strecke wegen der steilen Abschnitte sowie der niedrigen und schmalen Tunnel eher ungeeignet.
Oben angekommen eröffnet sich eine fantastische Fjelllandschaft. Ich denke noch: „Jetzt geht es nur noch bergab.“ Denkste! Die Strecke gleicht eher einer Achterbahn mit ständigem Auf und Ab.
Schnell wird klar, dass ich die DNT-Hütte nicht mehr rechtzeitig erreiche. Meine Hoffnung auf ein warmes Abendessen schwindet. Nicht wegen meines Magens erwähne ich das, sondern weil mich die norwegische Gastfreundschaft immer wieder beeindruckt. Obwohl ich erst kurz vor 20 Uhr ankomme, stellt sich der Wirt noch einmal an den Herd und zaubert mir ein leckeres Abendessen. Sonst hätte es nur Kekse und Schokolade gegeben.
Die DNT-Hütte liegt direkt an der Straße und ist im Sommer von Ende Juni bis Anfang September bewirtschaftet. Übernachten kann man in einfachen Zimmern oder Matratzenlagern, dazu gibt es überraschend gutes Essen. Direkt daneben erhebt sich die gewaltige Staumauer des Aursjøen, der in den 1950er-Jahren zur Energiegewinnung aufgestaut wurde.



Spektakulär talwärts
Am nächsten Morgen: wieder Sonne, über 20 Grad und perfekte Bedingungen, vorbei an Seen und vielen Ferienhütten geht es übers Fjell. Einige Kilometer später „stürzt“ der Weg talwärts, eingerahmt von gewaltigen Bergen und spektakulären Wasserfällen. Wegen Schlaglöchern und Wellblechpiste muss ich bergab trotzdem bremsen, an einigen Stellen sehe ich, wie selbst Autos ein bisschen Mühe haben, die steile Schotterstraße hochzukommen.
Zum Abschluss windet sich schmale Straße durch ein wunderschönes Tal, vorbei an Höfen und entlang glasklarer Flusses bis nach Sunndalsøra, zurück in die Zivilisation.



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